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08.05.2017, Lüdenscheid

Mit winzigen Sonden und Kathetern gegen Tumore

Als "Chirurgie ohne Skalpelle" wird die Interventionelle Radiologie laienverständlich bezeichnet. Und tatsächlich: es sind winzige Katheter und Sonden, mit denen das Team der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Lüdenscheid millimetergenaue Präzisionseingriffe vornehmen kann. Klinikdirektor Prof. Dr. Heiko Alfke hatte einige Anschauungsobjekte mit in die Kapelle des Haupthauses gebracht. Und die Besucher seines Vortrags im Rahmen der Reihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken" waren erstaunt und fasziniert, dass zahlreiche Erkrankungen ohne Skalpell so erfolgreich behandelt werden können.

In der Gefäßmedizin - beispielsweise zur Behandlung der so genannten Schaufensterkrankheit oder des Schlaganfalls - ist für den Eingriff lediglich eine millimeterkleine Punktion in der Leiste erforderlich. Auch bei Tumorerkrankungen ist die interventionelle (mikroinvase) Radiologie oft ein erfolgreiches Behandlungsverfahren. Die zur Verfügung stehenden Verfahren unterscheiden sich im Wesentlichen im Zugangsweg zum Tumor: Während bei einigen Verfahren die Blutgefäße (Schlagadern) als Zugangsweg genutzt werden, sind es bei anderen Techniken die Tumore selbst, die mit Hitzesonden oder mit gezielter Verödung zerstört werden. Live-Bilder weisen den Radiologen während des Eingriffs genauestens den Weg zum bösartigen Tumor. "Insbesondere Primärtumoren, aber auch Metastasen in der Leber, Niere, Lunge oder in den Knochen können wir so den Garaus machen", erklärt Prof. Alfke.

"Aber wieso sind dann überhaupt noch richtige Operationen bei Tumorpatienten erforderlich?", wollte ein Besucher gerne wissen. "Es kommt auf die genaue Diagnose an. Oft ist eine offene Operation unter Umständen in Kombination mit einer Chemotherapie das Mittel der Wahl", so Prof. Alfke. Auch kann nicht jeder Tumor mikroinvasiv behandelt werden. Das hängt unter anderem von der Lage, aber auch der Größe ab. Die beste Wirkung werde mikroinvasiv bei kleinen Tumoren unter drei Zentimetern erzielt. Ab fünf Zentimetern würde es bereits kompliziert.
Für die Entscheidungsfindung ist die fachübergreifende Zusammenarbeit der Ärzte im Klinikum Lüdenscheid ganz wichtig: So besprechen Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Radiologen im Rahmen der regelmäßigen Tumorkonferenzen jeden Fall individuell und entscheiden dann über bestmögliche Therapie.
"Durch die Fortschritte in Wissenschaft und klinischer Medizin können wir heutzutage ein weites Spektrum an Behandlungsmaßnahmen liefern, die in den vielen Fällen Heilung oder zumindest deutliche Linderung verschaffen ", resümiert Prof. Alfke zum Ende eines sehr anschaulichen Vortrags.

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