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Klinik für Nuklearmedizin

Neue Untersuchungsmöglichkeit für Prostatakrebs: PET mit PSMA

Überwachungsmonitore

Wenn nach einer Prostataoperation wegen Prostatakrebs das PSA im Blut wieder ansteigt, dann bedeutet das, dass irgendwo im Körper wieder Tumorgewebe wächst. Wenn dieses Gewebe lokalisiert werden kann, dann ist eine gezielte Therapie (z. B. Operation oder Bestrahlung) möglich. Dafür braucht man eine treffsichere Lokalisationsdiagnostik, bei der Bilder des Körpers angefertigt werden, auf denen der Tumor erkennbar ist. Es hat sich gezeigt, dass die radiologischen Verfahren Computertomographie und Kernspintomographie den Tumor meistens nicht anzeigen können. Eine solche Lokalisationsdiagnostik ist natürlich unnütz. Die wichtigste Methode war stattdessen in den letzten Jahren die Positronen-Emissionstomographie (PET-CT) mit dem radioaktiven Molekül Cholin.

Cholin ist ein körpereigener Baustein von Zellmembranen. Rasch wachsendes Gewebe – also beispielsweise Tumorgewebe – braucht ständig neue Zellmembranen und reichert deshalb das Cholin, das im Blut vorhanden ist, an. Für die PET-CT-Untersuchung wird eine winzige Menge Cholin in eine Vene des Patienten injiziert. Der Trick dabei ist, dass das Cholin vorab radioaktiv markiert wurde. Diese Radioaktivität wird anschließend von der PET-CT-Kamera im Körper des Patienten gemessen. Dort, wo die Radioaktivität – und also auch das Cholin – sich anreichert, befindet sich der Tumor.

Nachweis von Tumorzellen

Wenn man bei Patienten mit ansteigendem PSA auf diese Weise den Tumor lokalisieren konnte, dann konnte er anschließend gezielt behandelt werden. Das war immerhin bei etwa 70 Prozent der Patienten der Fall. Für die meisten Prostatakrebspatienten in dieser Situation war die PET-CT mit Cholin also ein großer Fortschritt. Aber eben nicht für alle. Bei etwa 30 Prozent fand sich kein Tumor, obwohl der Urologe aufgrund der Laborwerte sicher war, dass irgendwo einer stecken müsse. Außerdem konnte Cholin erst relativ spät im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Der PSA-Wert musste nämlich auf mindestens 1,5 ng/ml ansteigen, damit die Untersuchung erfolgversprechend genug war. Wenn der PSA-Wert darunter lag, war Cholin bei weitem nicht so treffsicher. Damit die Methode erfolgreich war, musste also erstmal eine genügend große Menge an Tumorzellen heranwachsen. Dies wollten Patient und Urologe aber eigentlich vermeiden.

Aus diesen Gründen wurde in den letzten Jahren intensiv nach einem Molekül gesucht, das noch besser zur Lokalisationsdiagnostik geeignet ist als Cholin. Heidelberger Forscher sind dabei jetzt fündig geworden. Ihre Entdeckung hat direkt mit dem PSA zu tun, also mit derjenigen Substanz, die der Urologe während der Nachsorge im Blut bestimmt. PSA findet sich nämlich auch auf der Oberfläche der Tumorzellen. Man muss es sich so ähnlich wie eine Antenne vorstellen, die auf der Zellmembran aufgerichtet ist. Das Molekül der Heidelberger Forscher bindet sehr fest an diese Antenne, während es ansonsten nirgendwo im Körper benötigt wird. Die Heidelberger haben es PSMA genannt. Wenn man PSMA in eine Vene injiziert, dann reichert es sich also genau wie Cholin im Tumorgewebe an. Die Anreicherung ist aber viel intensiver, sodass erheblich weniger Tumorzellen vorliegen müssen damit die Lokalisationsdiagnostik erfolgreich ist.

Verschiedene Studien weltweit

Mittlerweile gibt es auch schon Studien zum PSMA. So fand beispielsweise eine Arbeitsgruppe aus Australien, die Cholin und PSMA verglichen hat, dass die Untersuchung mit PSMA wesentlich treffsicherer war (Morigi JJ  et al., 2015, Prospective Comparison of the detection rate of 18F-Fluoromethylcholine and 68Ga-PSMA-HBED PET/CT in men with prostate cancer with rising PSA post curative treatment, being considered for targeted therapy, J Nucl Med). Selbst bei sehr geringen PSA-Spiegeln (0,5 ng/ml) war mit PSMA in den meisten Fällen der Tumor zu lokalisieren. Man kann also davon ausgehen, dass dies die überlegene Untersuchungsmethode ist. Auch Wissenschaftler aus Innsbruck haben untersucht, welche Voraussetzungen erfüllt sein sollten, damit PSMA-PET sinnvoll und erfolgreich ist (Ceci et al., 2015, 68Ga-PSMA PET/CT for restaging recurrent prostate cancer: which factors are associated with PET/CT detection rate?, Eur J Nucl Med). Die Autoren schreiben, dass das PSA optimalerweise bei 0,8 ng/ml liegen und sich innerhalb von 6 Monaten oder weniger verdoppelt haben sollte. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Detektion von Tumorresten mit PSMA sehr treffsicher.

Somit ist heutzutage ein PET-CT mit PSMA die aussichtsreichste Methode, um ein vermutetes Tumorrezidiv nach einer Prostatektomie zu lokalisieren. Die Methode ist nahezu immer erfolgreich bei Patienten mit einem PSA von über 0,8 ng/ml und relativ raschem Anstieg des Werts. In der Nuklearmedizin bieten wir diese Untersuchungsmethode neuerdings an.