Unternehmensverbund Märkische Kliniken GmbH
Hüftprothese
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Altersbedingte Verschleißerkrankungen wie Arthrose und Osteoporose mit ihren Folgen (Oberschenkelhalsbrüche) machen heute in Deutschland bereits ca. 150.000 Hüftgelenkersatz-Operationen (Hüftprothesen-Implantationen) erforderlich.
Ziel der Operation ist in erster Linie, die starken Schmerzen zu reduzieren und die Mobilität zu erhalten. Dies ist die entscheidende Voraussetzung für unsere älteren und alten Patienten, um sich weiterhin selbst versorgen zu können und Pflegeabhängigkeit zu vermeiden. Für unsere „jüngeren Patienten“ (unterhalb des Rentenalters) kommt entscheidend hinzu, dass die implantierte Hüftprothese möglichst lange „funktioniert“ (lange Standzeit) und eine schwierigere Hüftprothesen-Wechseloperation ganz vermieden oder erst viele Jahre später (in der Regel 12 – 15 Jahre) notwendig wird.

Drei Faktoren können wir beeinflussen:Die Operationstechnik und Material, die Rehabilitation und die mechanische Beanspruchung der Hüftprothese durch den Patienten.

Operationstechnik und Material
Hier ist der Unfallchirurg und Orthopäde des Vertrauens gefordert, für jeden einzelnen Patienten unter Berücksichtigung seiner speziellen Krankheitsbedingungen die Operation individuell zu planen. Wichtig ist uns dabei besonders, das allgemeine Operationsrisiko zu minimieren und gegebenenfalls eine ambulante internistische Vorbehandlung oder eine Eigenblutspende durch die Narkoseärzte etwa drei Wochen vor dem Eingriff einzuleiten.
Weitere Maßnahmen gegen den zu erwartenden Blutverlust werden festgelegt,  z.B. Hämodilution (Blutverdünnung während des Eingriffs),  Einsatz des Cellsavers (Rückgewinnung des Patientenblutes während der Operation), Bereitstellung getesteter Fremdblutkonserven und Einsatz des Retransfusionssystems (Blutrückgewinnung aus den Wundschläuchen nach Ende der Operation). In speziellen Fällen wird ein Bett auf der Intensivstation bereit gestellt. Alles in allem profitieren unsere Patienten hier von unseren umfassenden Möglichkeiten eines Krankenhauses der Maximalversorgung.
Ein gutes Operationsergebnis ist auf Dauer abhängig von der richtigen Auswahl der Prothesenverankerung vom Prothesentyp und von der Erfahrung des Operateurs, während der laufenden Operation auf unterschiedliche Techniken je nach Bedarf der speziellen Situation wechseln zu können.

In den 90iger Jahren hat Prof. Dr. Gerfried Giebel, Direktor unserer Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, eine Hüftprothese entwickelt, die wissenschaftlich nachgewiesene Vorteile in sich vereinigt: der anatomische Prothesenschaft garantiert einen größeren Formschluss zwischen Prothese und Knochenlager. (Abb. 1) Der kleine Prothesenkragen und die Längsrille garantieren eine verbesserte Verankerung der Prothese im Zementmantel (Abb. 2).

Die neuesten biomechanischen Forschungsergebnisse haben bei uns zur Anwendung der Presszementier-Technik geführt (Abb. 3). Sie ist wesentlich für die nachgewiesen lange Standzeit der „Zementhüften“ von oft über 20 Jahren, da der in den Knochen eingepresste Zement zur Aussteifung und Stabilität auch eines schwachen Knochenlagers führt, z.B. bei Osteoporose.
Die zementfreie Prothesenimplantation dagegen setzt immer ein biologisch starkes Knochenlager voraus, das in der Lage ist, durch eine gute Knochenheilung bis an die Prothese heran zu wachsen („ongrowth“) und diese dauerhaft einzuheilen („ingrowth“).

Zur Erleichterung der Einheilung ist unser zementfreier Prothesenschaft aus Reintitan gefertigt  und mit einer aufwändigen Bonit®-Beschichtung versehen (Abb. 4). Durch diese Oberflächenvergrößerung wird die Kontaktzone zwischen Implantat und Knochenlager erheblich vergrößert und somit die „Einheilungsfläche“ erhöht. Letztendlich ist die Beurteilung der biologischen Potenz zur Knochenneubildung bei jedem einzelnen Patienten entscheidend für die richtige Auswahl der Prothesenverankerung ohne oder (im Zweifel) auch mit Zement.

Neuerdings werden von einigen Kliniken  Kurzschaftprothesen minimalinvasiv implantiert (durch Schlüssellochtechnik). Wie lange diese Prothesen halten, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise lockern sie sich wegen des kurzen Schaftes früher.

Rehabilitation (REHA)
Die Rehabilitationsphase beginnt sofort nach der Operation. Das „neue“ Leben mit der Hüftprothese muss eingeübt werden. Während der zweiwöchigen stationären Behandlung im Klinikum Lüdenscheid helfen unsere Physiotherapeut(inn)en dem Patient, sich selbstständig zu bewegen. Sie geben viele wertvolle Tipps und beraten die Patienten individuell, ob und welche Hilfsmittel (Toilettensitzerhöhung, Schuhanziehhilfe etc.) für sie sinnvoll sind. 
Die Frage „wie geht es mit mir weiter“ liegt vielen auf dem Herzen: stationäre oder ambulante REHA? Besonders für unsere älteren alleinstehenden Patienten beantragen wir oft eine stationäre REHA „im Grünen“ wegen der täglichen Rundumversorgung. Die Jüngeren dagegen favorisieren meist eine ambulante REHA am Heimatort in unseren REHA-Kliniken: 15 Tage lang werden sie von Montag bis Freitag von zuhause abgeholt und zurückgebracht und trainieren unter Fachanleitung vier bis fünf Stunden. Zwischendurch ist für eine Mahlzeit gesorgt. Ein Ruheraum steht ebenfalls zur Verfügung. Das neu Erlernte kann später in den eigenen vier Wänden gleich ausprobiert und eingeübt werden. Auch hier kann im Bedarfsfall ein Verlängerungsantrag gestellt werden.

Beanspruchung der Hüftprothese
Wie die Achsen in einem Fahrzeug in Abhängigkeit von der Fahrweise beansprucht werden, verhält es sich auf Dauer mit der „Langlebigkeit“ der implantierten Hüftprothese. Gute, aber auch schlechte Verhaltensweisen für das Kunstgelenk, können unsere Patienten immer wieder rekapitulieren anhand unseres empfehlenswerten Patientenratgebers. Dieses speziell für den Alltag und in Umgangssprache verfasste Heftchen kann von Jedermann im Kiosk des Klinikums Lüdenscheid erstanden werden.

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Abb3
Abb.1: Der anatomische Prothesenschaft entspricht der Knochenform.
Abb4
Abb.2: Hüftprothese - entwickelt im Klinikum Lüdenscheid
Abb
Abb.3: Presszementiertechnik
Abb6
Abb 4: Prothesenschaft zementfrei Typ Lüdenscheid mit Bonit - Beschichtung