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08.11.2019, Lüdenscheid

Arzt-Patienten Seminar zum plötzlichen Herztod: Hohe Besucherzahlen zeigen Dringlichkeit des Informationsbedarfs

"Prüfen - Rufen - Drücken" war der Leitspruch des Tages, am vergangenen Samstag (2.11.) im Kulturhaus der Stadt Lüdenscheid, wohin die Klinik für Kardiologie und Angiologie des Klinikums Lüdenscheid, im Rahmen der bundesweiten Herzwochen, zum großen Arzt-Patienten-Seminar geladen hatte. Diese simple Zusammenfassung soll Laien anleiten, im Notfall Souverän helfen zu können. "Unsicherheit ist oft das größte Problem, wenn es um Reanimation geht. Nur Übung und Auffrischung des Reanimationswissens können hier Abhilfe schaffen.", erklärte Dr. Thomas Karow, Notarzt aus Köln. Er plädierte dafür, bereits Schülerinnen und Schüler im Zuge ihrer Ausbildung zu Ersthelfern auszubilden. Aber auch Erwachsene sollten ihr Wissen regelmäßig auffrischen, denn der einzige Berührungspunkt mit Notfallhilfe ist und bleibt oft die Vorbereitung auf den Führerschein.
Schnell, unerwartet und tragisch. Das ist der plötzliche Herztod. Allein in Deutschland versterben jährlich 65.000 Menschen an seinen Folgen. Ein Drittel aller Betroffenen ist jünger als 65. "Schon die offiziellen Zahlen sind enorm hoch. Die Dunkelziffer übersteigt diese um mehr als das Doppelte. Dass für die meisten Opfer bereits das erste Ereignis das fatale Ereignis ist, zeigt, wie wichtig Prävention wirklich ist", führte Prof. Dr. Bernd Lemke, einer der beiden Klinikdirektoren der Kardiologie und Angiologie am Klinikum Lüdenscheid, aus.


Umso erfreulicher für die Organisatoren: Bereits vor Veranstaltungsbeginn lockte das breite Spektrum an Informations- und Aktionsständen über 100 Besucher ins Foyer des Kulturhauses. Die deutsche Herzstiftung, die das traditionelle Angebot zu den Herzwochen, ebenso wie die AOK Nordwest, unterstützte, als auch die Märkischen Reha-Kliniken, gaben den Besuchern wertvolle Tipps und Rezepte für eine herzgesunde Ernährung, Anweisungen für den Notfall oder Anregungen zu Bewegungsangeboten. Gleich vor Ort konnten die Besucher außerdem Blutdruck und Blutzucker messen lassen.


Dieter Dzewas, Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid und Schirmherr der Veranstaltung, lobte das durchweg positive Medizinverständnis aller Beteiligten, das sich in dem Seminar zeigte: "Nur eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Arzt, Patient, Politik und Klinikum kann, zur optimalen gesundheitlichen Versorgung führen." Michael Grüber, von der AOK Nordwest, die neben der Deutschen Herzstiftung auch zu den Gastgeben zählte, erweiterte dies: "Dass so viele von Ihnen heute den Weg ins Kulturhaus gemacht haben, zeigt deutlich, sie möchten sich Informieren und aktiv etwas für Ihre Gesundheit tun."


Ausführlich betrachtet wurden auch neue, medizinische Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten, beispielsweise in Herzkatheterlaboren, in denen Fachärzte, minimal invasiv und nur unter lokaler Betäubung, große Ergebnisse schonend erreichen können. Dr. Markus Zarse, als zweiter Klinikdirektor Teil der Doppelspitze der Kardiologie und Angiologie in Lüdenscheid, berichtete von modernen Möglichkeiten der Bildgebung, die inzwischen eine sehr detailreiche Abbildung des Herzens zulassen. Damit können Gefahren schnell identifiziert und behoben werden. Als ein weiteres Beispiel für den digitalen Fortschritt hob der Experte die Smartphone APP Preventicus hervor, die es Patienten ermöglicht, den eigenen Herzrhythmus selbst zu erfassen, zu dokumentieren und die erhobenen Daten im Notfall gleich an den behandelnden Arzt übermitteln zu können.


Wiederkehrend war die Frage nach den Unterschieden zwischen Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Zana Karosiene, Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie und Spezialistin für Aktive Rhythmusimplantate, erklärte: "Ein Herzschrittmacher wird eingesetzt, wenn bei einem Patienten das Herz zu langsam schlägt. Er bringt das Herz auf Trab. Dahingegen reguliert oder verlangsamt der Defibrillator das Herz, wenn es zu schnell schlägt." Ein korrekt verwendeter Defibrillator kann also Patienten mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen vor dem plötzlichen Herztod zu schützen. Im Weiteren erklärte Dr. Jens Kolbe noch, wie Patienten nach überlebter Reanimation wieder in den Alltag eingegliedert werden können.


Im Mittelpunkt standen den ganzen Tag Risiken, Ursachen sowie Reanimations- und Präventionsmaßnahmen. Ihre Patienten vorbeugend zu informieren, hat sich das Team der Klinik für Kardiologie und Angiologie auf die Fahnen geschrieben. Daher ist auch für das nächste Jahr im Rahmen der Deutschen Herzwochen ein Arzt-Patienten-Seminar geplant.

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