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05.09.2019, Lüdenscheid

Die letzten 16 Zentimeter des Darms

Am vergangenen Dienstag drehte sich bei der Veranstaltungsreihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken" alles um die letzten 12 bis 16 Zentimeter des Darms. Grund dafür: Dr. Sven Schröder, Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein,- Visceral- und spezielle Visceralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid informierte sein Publikum über das "Tabuthema Proktologie" und stellte mit Hämorrhoiden, Analfissuren, Analvenenthrombosen, Analfisteln und dem Mastdarmvorfall gleich fünf häufige Erkrankungen des Enddarmbereichs vor.

Nach einer kurzen Einführung in die Anatomie des Enddarms, eröffnete der Referent seinen Vortrag zunächst mit dem Thema  Hämorrhoiden - eine der häufigsten Erkrankungen des Enddarms. Doch aufgepasst: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden und diese erfüllen sogar eine wichtige Funktion: "Hämorrhoiden sind wichtig für die Feinkontinenz", erklärte der Experte. Das schwammartige, gut durchblutete Gefäßpolster sitzt am Ausgang des Enddarms und dichtet zusammen mit den Schließmuskeln den After ab. Wenn sich Hämorrhoiden aber vergrößern, können sie Beschwerden wie Schmerzen, Juckreiz, Brennen oder Blutungen in der Afterregion verursachen. Ursachen liegen unter anderem in Verstopfungen, Übergewicht oder einer angeborenen Bindegewebsschwäche, wie Dr. Sven Schröder erläuterte. Je nach Schweregrad sei entweder eine konservative oder operative Behandlung notwendig.

Auch bei Analfissuren richtet sich die Therapieform nach der Ausprägung der Erkrankung. So lassen sich die schmerzhaften Einrisse, die zum Beispiel bei festem Stuhlgang entstehen oder als Begleiterscheinung von chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn auftreten können, oft mit einer speziellen Salbe gut behandeln. Sollten die Fissuren jedoch länger als drei Monate bestehen, sei eine operative Entfernung sinnvoll, so Schröder.

Wie der Experte erklärte, stellt sich die Analvenenthrombose, die vorwiegend durch längeres Sitzen und starkes Pressen bei Verstopfungen entsteht, ebenfalls als sehr schmerzhaft dar. Hier kann ein kleiner Einschnitt bei lokaler Betäubung Betroffenen schnelle Abhilfe verschaffen. Komplizierter verhält es sich hingegen bei der Therapie von Analfisteln. Denn hier bestimmt unter anderem der Verlauf der Fistel im Enddarm, welche Eingriffs-Technik zum Einsatz kommt, um die einzelnen Fistel chirurgisch zu behandeln.

Als letzte Erkrankung des Enddarms stellte Dr. Sven Schröder den so genannten Rektumprolaps, auch Mastdarmvorfall genannt, vor. Auch hier gibt es verschiedene Grade der Erkrankung. Während bei der ersten Stufe eine innere Einstülpung erfolgt, tritt der Mastdarm bei der zweiten und dritten Stufe sichtbar aus dem After hervor. Die Ursachen für einen solchen Vorfall können vielfältig sein und zum Beispiel in einer schwachen Beckenbodenmuskulatur oder langjährigen Verstopfungen liegen. Behandelt wird ein Mastdarmvorfall in der Regel operativ. Lediglich bei Kindern kann oftmals auf eine Operation verzichtet werden und mit der Gabe von Milchzucker eine konservative Behandlung erfolgen.


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