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06.06.2019, Lüdenscheid/Letmathe

Marienhospital muss seine Pforten schließen - Hospiz Mutter Teresa, Seniorenzentrum Letmathe und Dialysezentrum Letmathe sind nicht betroffen

Schmerzliche Einschnitte stehen der gesamten deutschen Krankenhauslandschaft bevor, die insbesondere kleinere Krankenhäuser betreffen. Die Märkischen Kliniken bekommen diese schon jetzt zu spüren. Denn nachdem das Marienhospital in Letmathe, im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht ist, hat der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, die Schließung des Hauses der Grundversorgung mit 90 Betten zum Ende des Jahres vorzubereiten. Dies geben Aufsichtsrat und Geschäftsführung des kommunalen Krankenhausverbundes mit Sitz in Lüdenscheid sowie der Landrat des Märkischen Kreises für den Träger jetzt bekannt. Die endgültige Entscheidung fällt der Kreistag in seiner kommenden Sitzung am 27. Juni. Das Hopiz Mutter Teresa, das Seniorenzentrum Letmathe sowie die Ambulante Dialyse sind davon nicht betroffen.


Das monatelange Ringen um eine Zukunft für das Marienhospital ist zum Bedauern aller Verantwortlichen ergebnislos geblieben. "Wir haben nichts unversucht gelassen", betont Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Gesundheitsholding GmbH & Co. KG und blickt zurück auf eine Vielzahl von Gesprächen zur Sondierung von Alternativen. Dazu zählten auch Kontakte zu einem möglichen Investor, der beabsichtigte, den Standort in eine Fachklinik umzuwandeln. Weil dazu hohe Landesbürgschaften nötig gewesen wären, sprachen Dr. Thorsten Kehe und Landrat Thomas Gemke sogar gemeinsam im Landesministerium vor.


Mitte 2018 zeichnete sich ein negativer Trend für die wirtschaftliche Entwicklung des Marienhospitals ab. Einige Faktoren kamen dabei zusammen. So startete im vergangenen Jahr  am Marienhospital eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme, um den Brandschutz des Gebäudes auf den neusten Stand zu bringen. Das Investitionsvolumen beträgt insgesamt rund 5 Mio. Euro. Erst 2022 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.


Aber auch der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen setzt dem Marienhospital zu. Schon jetzt sind rund zehn Stellen in der Pflege nicht besetzt, so dass eine Station zeitweise geschlossen werden musste und sich die Behandlungskapazitäten weiter verringerten. "Die Situation wird in der Zukunft auch schwierig bleiben", so Dr. Kehe, der weiß, dass sich Fachkräfte häufig in Richtung Ballungszentren und größere Krankenhäuser orientieren, weil sie sich davon mehr Sicherheit und Vorteile für ihre berufliche Entwicklung versprechen.


Eine ähnliche Entwicklung beobachten Experten im Hinblick auf das Patientenverhalten. Kehe: "Die Menschen wenden sich heute vermehrt mit ihren Erkrankungen an große spezialisierte Krankenhäuser, weil sie sich davon bessere Behandlungsmöglichkeiten versprechen." Während größere Häuser ihre Expertise immer weiter ausbauen und differenzieren, können kleine Standorte wie das Marienhospital nicht mithalten. Das Marienhospital hat zwar mit der Schmerzmedizin ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen, steht aber mit seinen beiden anderen Fachabteilungen Chirurgie und Innere Medizin mit drei größeren Krankenhäuser in nächster Nähe im Wettbewerb. In einem Umkreis von 20 Kilometern stehen den Menschen insgesamt 16 Krankenhäuser zur Verfügung.


Als kleines Haus kann das Marienhospital die neuen gesetzlich geforderten Standards für die Notfallversorgung wahrscheinlich nicht erfüllen. "Kommt es so, werden Rettungssanitäter künftig am Marienhospital vorbeifahren", so Kehe. Und das könnte bis zu 30 Prozent weniger Patienten bedeuten. Damit nicht genug, muss das Marienhospital dafür noch Abschläge in seinem Budget in Kauf nehmen, die die Existenz bedrohen. "Wir müssen insgesamt von einer mittleren sechsstelligen Summe pro Jahr ausgehen", so Dr. Thorsten Kehe weiter.


Für die kommenden fünf Jahre hat die Geschäftsführung der Märkischen Kliniken eine Planungsrechnung für das Marienhospital Letmathe erstellt, die alle vorhandenen Erkenntnisse bzw. Chancen und Risiken einschließt. Selbst im besten Fall ist davon auszugehen, dass das Jahresergebnis deutlich negativ bleibt. Weiter fortbestehende Defizite können auch über die anderen Standorte nicht mehr ausgeglichen werden und den Fortbestand der Märkische Kliniken GmbH als Gesundheitsversorger im Märkischen Kreis gefährden.


Alle rund 130 am Marienhospital beschäftigten Fachkräfte erhalten als Mitarbeiter der Märkischen Kliniken einen Arbeitsplatz an einem der beiden anderen Standorte.

Das  Seniorenzentrum Letmathe, die Tagespflege Letmathe, das Hospiz Mutter Teresa und das Dialysezentrum Letmathe befinden sich in stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen und werden auch bei einer Schließung des Marienhospitals weiter betrieben. Es handelt sich um rechtlich und wirtschaftlich selbständige Einrichtungen.

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