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02.11.2018, Lüdenscheid

Hilfe beim Beantragen eines Pflegegrades

"Habe ich persönlich schon Vorsorge getroffen?" - mit dieser Frage sollten sich, wenn es nach Sivlia Apel, Fachkrankenschwester und Pflegewissenschaftlerin am Klinikum Lüdenscheid, geht, viel mehr Menschen schon frühzeitig in ihrem Leben auseinandersetzen. Denn Pflegebedürftigkeit kann in jedem Alter, zum Beispiel nach Unfällen oder schweren Erkrankungen entstehen. Ist eine solche Situation eingetroffen, egal ob plötzlich oder schleichend, und die Pflegebedürftigkeit dauert länger als sechs Monate an, gilt es, bei der Pflegekasse einen entsprechenden Antrag auf pflegerische Unterstützung zu stellen. Was Betroffene selbst oder pflegende Angehörige dabei beachten sollten und wie sich Betroffene auf die Begutachtung vom medizinischen Dienst vorbereiten können, erklärte Silvia Apel am vergangenen Dienstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken".

Wie die Expertin erläuterte, kann ein Antrag auf Unterstützung formlos, also auch per Mail oder Telefon, bei der Krankenkasse gestellt werden. Diese meldet den Antrag dann an die Pflegekasse, die wiederrum einen Gutachter des Medizinischen Dienstes, oder bei Privatversicherten einen Gutachter der Firma Medicproof, direkt zum Betroffenen nach Hause schickt. Der Gutachter schaut sich dann die Situation vor Ort an und entscheidet anhand verschiedener Kriterien, welchen der fünf möglichen Pflegegrade er der Krankenkasse für den Betroffenen empfiehlt.

"Gewichtet werden bei der Einstufung generell sechs Module", erläuterte die Referentin. Dazu zählen unter anderem Aspekte der Mobilität, der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten sowie auch die psychische Situation des Pflegebedürftigen. Die Expertin rät Betroffenen und deren Familien sich gut auf den Besuch des Gutachters vorzubereiten und die für die Einstufung relevanten Module zu kennen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass auch wirklich alle Module angesprochen und bei der Begutachtung berücksichtigt werden. Auch sollten sich Pflegebedürftige und deren Angehörige vorher bewusst machen, dass es wichtig ist, Probleme im Gespräch mit dem Gutachter konkret benennen zu können. Dabei kann es nach der Expertin schon einen Unterschied machen, ob der Pflegebedürftige sagt "Treppensteigen geht gar nicht mehr" oder stattdessen konkret äußert, dass er  die Treppe nicht mehr alleine hochsteigen kann, sondern hochgetragen werden muss.

Ist die Einstufung des Pflegebedürftigen durch den Gutachter erfolgt und die Krankenkasse stimmt dessen Einschätzung zu, stehen dem Pflegebedürftigen und seinen pflegenden Angehörigen je nach Pflegegrad viele verschiedene Leistungen zu. Dazu zählen zum Beispiel  die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes, stationäre Pflegeleistungen oder auch eine finanzielle Unterstützung für notwendige Aus- und Umbauten in der eigenen Wohnung.

Zum Abschluss der Veranstaltung wies Silvia Apel, die auch Mitarbeiterin im Patienten-Informations-Zentrum Lüdenscheid ist, noch auf die regelmäßig stattfindenden Pflegekurse des PIZ hin und lud alle Besucher ein, sich bei Bedarf gerne bei ihr nochmal persönlich und ausführlich zum Thema Pflege beraten zu lassen.

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