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09.10.2018, Lüdenscheid

Das stolpernde Herz

Schier unermüdlich schlägt das Herz - etwa 60 bis 100 Mal pro Minute, etwa 100.000 Mal pro Tag und das ein Leben lang ohne Pausen. Dabei kann es manchmal aus dem Takt geraten, stolpern oder rasen. Herzrhythmusstörungen nennen Kardiologen solche Unregelmäßigkeiten, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens bekommen. Einzelne Stolperer, so genannte Extrasystolen sind dabei bei Herzgesunden meist harmlos. Anders sieht dies bei Herzkranken und einer plötzlichen Zunahme der Symptome aus "Ich rate hier  dazu, diese von einem Herzspezialisten untersuchen zu lassen", appellierte Prof. Dr. Markus Zarse, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Klinikum Lüdenscheid, am vergangenen Dienstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken".

Denn die Grenze zwischen harmlosen Störungen und gefährlicheren Herzerkrankungen sei fließend: "Herzrhythmusstörungen können auch auf eine Erkrankung der Herzkranzgefäße oder einen Klappenfehler hindeuten, erklärte der Experte. Auch Bluthochdruck, Diabetes, eine Schilddrüsenüberfunktion und Übergewicht können Herzrhythmusstörungen begünstigen.

Vorhofflimmern ist die am weitesten verbreitete Herzrhythmusstörung. Sie hängt sehr eng mit dem unwillkürlichen Nervensystem zusammen. Wenn hier eine Dysbalance entsteht, beispielsweise in einer Ruhephase nach Belastung, können dann zusätzliche elektrische Reize z.B. aus den Lungenvenen wie zusätzliche Zündkerzen beim Motor, das Herz aus dem Takt und ins Flimmern bringen.  Die Vorhöfe können sich dann nicht mehr zusammenziehen, um das Blut in die Herzkammern zu pumpen. Wenn Symptome auftreten, sind dies meist Herzstolpern, kurzzeitige Aussetzer oder starkes Herzrasen. Müdigkeit, Luftnot und Schwindel bis hin zur Ohnmacht sind oft die Folge.

Um eine Überwachung und Dokumentation des Herzrhythmus zu ermöglichen, setzen Kardiologen seit Jahren so genannte Event-Recorder ein, die implantiert werden. "Die Tendenz ist hier aber eindeutig abnehmend, da es bereits modernere Möglichkeiten gibt", so erläuterte Prof. Zarse und verwies auf Handy-Apps, die kostenlos heruntergeladen werden können und sogar ein aussagekräftiges EKG schreiben können. Auch Kardio-Armbänder "berichten" dem Kardiologen darüber, wie und wann das Herz ins Stolpern geraten ist.

Viele Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden, lassen einen Eingriff vornehmen, um die Herzrhythmusstörungen loszuwerden. Bei der Katheterablation schieben die Kardiologen im Klinikum Lüdenscheid über die Leisten des Patienten winzige Katheter ins Herz. "In den Herzkammern werden Zellen verödet, um falsche elektrische Impulse im Herz zu verhindern, erklärt Prof. Zarse dem interessierten Publikum im vollen Saal des Seminarzentrums. "Die Katheterablation hat eine hohe Erfolgsrate und es gibt erfreulicherweise wenig Komplikationen", fügte er hinzu.

Auch mit Medikamenten lassen sich Herzrhythmusstörungen gut behandeln - mit Betablockern und Blutverdünnern. So genannte Anti-Arrhythmika können einen falschen Rhythmus unterdrücken oder zumindest die Häufigkeit der Störungen reduzieren. Hauptproblem der medikamentösen Therapie ist dabei, dass die Patienten unterschiedlich auf die Tabletten ansprechen, das zeigten auch die vielen Wortmeldungen der Besucher im Anschluss an den interessanten Vortrag. "Es braucht manchmal Geduld und oft auch mehrfache Medikamentenwechsel, bis das richtige Mittel und die richtige Dosierung gefunden sind", so der erfahrene Kardiologe, der alle Fragen zu Symptomen, Diagnosen und Behandlungen ausführlich beantwortete.

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