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14.02.2018, Letmathe

Schilddrüse nicht leichtfertig Operieren

„Schilddrüsenerkrankungen, wann operieren?“ Bevor Dr. Christiane Höß, Direktorin der Klinik für Chirurgie am Marienhospital Letmathe, ihrem kleinen aber sehr interessierten Publikum im Rahmen des gleichnamigen Vortrags der Reihe „Dienstags in den Märkischen Kliniken“ diese Frage beantwortete, erklärte sie zunächst den Aufbau und die Funktion des Organs, die verschiedenen Erkrankungen sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Die anwesenden Zuhörer staunten nicht schlecht, als sie hörten: „jeder Dritte bis Vierte hat eine Schilddrüsenerkrankung, die jedoch häufig gar nicht oder nur durch Zufall entdeckt wird“.

Knoten in der Schilddrüse sind, wie Dr. Höß mehrfach versicherte, nur selten bösartig. Längst nicht jeder Knoten muss behandelt werden, denn von circa 150 ist nur einer bösartig. Aufgrund des meist sehr langsamen Wachstums empfahl sie, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung zunächst zu beobachten. „Man muss dem Arzt vertrauen“, sagte dazu eine der selbst betroffenen Zuhörerinnen. Obwohl die Chirurgin, wie sie mit einem Augenzwinkern zugab, sehr gerne Schilddrüsen operiert, rät sie davon ab, sich vorschnell für eine Operation zu entscheiden.

Denn es gibt eine Alternative, die so genannte Radiojodtherapie, die ihrer Meinung nach einen leider zu geringen Stellenwert in Deutschland hat. Aufgrund der deutschen Strahlenschutzverordnung darf diese Behandlung nur stationär durchgeführt werden. Höß weiß: „Davor haben viele Patienten Angst.“ Dabei, so erläuterte es die Referentin, ist die Strahlenbelastung für den gesamten Körper ausgesprochen gering und die Bedingungen der stationären Unterbringung lange nicht so beängstigend, wie einige Gerüchte glauben machen wollen, die sich bedauerlicherweise hartnäckig halten. Zur Operation rät Dr. Höß also tatsächlich nur bei begründetem Verdacht und in ganz seltenen Fällen auch aus kosmetischen Gründen, wenn die Schilddrüse sich zu einem großen Kropf vergrößert hat. „Letztendlich“, sagt sie, „liegt die Verantwortung beim Chirurgen“.

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