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10.08.2021, Lüdenscheid

Geburtsvorbereitung & Co: Interview mit Hebamme Pia Heusler

Pia Heusler ist seit 14 Jahren als Hebamme tätig, steht werdenden Müttern (und Vätern) mit Rat und Tat zur Seite und hat selbst ein Kind mit der Unterstützung einer Hebamme zur Welt gebracht. Sie ist also eine echte Expertin was den Hebammenberuf angeht. Im Laufe der Jahre hat die 37-Jährige bereits in vielen unterschiedlichen Bereichen als Hebamme gearbeitet: Im Kreißsaal, als Beleghebamme, selbstständig in Schwangerschaftsbegleitung und der Wochenbettbetreuung, als Familienhebamme und nun als Leitung der Eltern - und Geschwisterschule. Im Interview erzählt uns Pia Heusler, warum sie ihren Beruf liebt, gibt werdenden Müttern Tipps zu Geburtsvorbereitung & Co. und geht auf die veränderten Bedingungen durch die Corona-Pandemie ein.

Was lieben Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Dass die Hebammenarbeit so vielseitig ist! Jede Hebammenbetreuung ist genauso individuell, wie die (werdende) Familie selbst. Keiner meiner Arbeitstage ist gleich. Die Frauen und Paare dort abzuholen, wo sie stehen und dementsprechend zu beraten, um sie gut durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu begleiten, mag ich sehr an meiner Arbeit.  Durch die Gespräche, in denen auch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird, können viele Ängste abgebaut und Selbstvertrauen gegeben werden, manche Frauen wachsen dadurch unter der Geburt oder im Wochenbett über sich hinaus. Das ist sehr schön und freut mich immer sehr. Und dabei sein zu dürfen, wenn aus einem Paar eine Familie wird, ist für mich etwas sehr Besonderes.

Ab wann sollte man sich eine Hebamme suchen?

Sobald man weiß, dass man schwanger ist. Also mit dem positiven Schwangerschaftstest. Insbesondere dann, wenn man eine bestimmte Hebamme möchte oder man in Städten oder Gemeinden lebt, wo Hebammenmangel herrscht.

Mit welchen Fragen oder Unsicherheiten kommen werdende Eltern besonders häufig auf Sie zu?

In Zeiten von Corona machen sich verständlicherweise viele Schwangere große Sorgen um die bevorstehende Geburt im Kreißsaal. Es geht also viel um die Corona-bedingten Einschränkungen, wie die aktuellen Regeln im Kreißsaal sind, Besuchszeiten im Klinikum und um Kursangebote - insbesondere Geburtsvorbereitungskurse.

Dabei ist es wichtig, dass man Sorgen so früh wie möglich mit der Hebamme bespricht. Deswegen ist ein engmaschiger Kontakt während der gesamten Schwangerschaft von Vorteil. Mal abgesehen von den Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie, ist ein gewisser Respekt vor der Geburt ganz normal. Oft hilft eine realistische Darstellung der Maßnahmen und Möglichkeiten während der Geburt oder wenn die Frauen erfahren, welche fachliche Begleitung sie unter der Geburt erhalten. Auch durch den Geburtsvorbereitungskurs verlieren viele Frauen ihre Ängste.

Wie ist denn die Lage im Moment, dürfen Partner*innen mit in den Kreißsaal? Welche Regeln gibt es aktuell?

Ja, die Partner dürfen ihre schwangeren Frauen zur Geburt in den Kreißsaal begleiten. Natürlich müssen auch sie vorab das Screening durchlaufen. Bei einem geplanten Kaiserschnitt beispielsweise, also bevor der OP-Saal betreten wird, wird der Partner zudem auch auf das Coronavirus getestet. Im Kreissaal besteht dann die Maskenpflicht, wenn die Geburtshelfer den Raum betreten. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um das Personal und natürlich die Patienten zu schützen. Nach der Geburt dürfen die Partner dann täglich zu Besuch in die Klinik kommen und falls Kapazitäten im Klinikum frei sind, ist es auch möglich, ein Familienzimmer zu buchen. Am Donnerstag, den 12. August um 18 Uhr, informiere ich hierzu auch in der Online-Veranstaltung "Geburt im Klinikum Lüdenscheid"

Ist es wichtig, an einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen und bis wann sollte man diesen absolvieren?

Wenn man sein erstes Kind bekommt - auf jeden Fall! Denn dieser bereitet nicht nur auf die Geburt, sondern auch auf die erste Zeit mit dem gemeinsamen Kind vor. Außerdem können in einem Geburtsvorbereitungskurs alle Fragen der Eltern geklärt werden. Das nimmt ihnen auch nochmal ein wenig die Ängste und Sorgen. Am besten ist es, wenn die Frau ungefähr in der 28. bis 37. Schwangerschaftswoche ist. Für sehr kurzfristige Kursanfragen, bieten wir aber oft auch noch einen Wochenendkurs an.

Corona und Geburtsvorbereitung: Welche Möglichkeiten gibt es aktuell?

Momentan bieten wir Geburtsvorbereitungskurse sowohl als Präsenz- als auch als Onlinekurs an. Die Präsenzkurse finden im Seminarzentrum am Klinikum Lüdenscheid statt. Aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen sind unsere Räume in der Eltern- und Geschwisterschule zu klein für reguläre Gruppen. Deshalb bieten wir als Alternative zum Präsenzkurs seit Beginn der Pandemie auch Online-Geburtsvorbereitungskurse an.

Neben Geburtsvorbereitungskursen biete ich unter anderem auch verschiedene Online-Kurse wie Babymassage oder eine Online-Hebammensprechstunde an. Das Programm finden Interessierte auf der Webseite der Märkischen Kliniken.

Haben Sie Tipps zur Geburt und der ersten Zeit als Familie?

Vertrauen, in sich selbst, den Partner, das Kind und das geburtshilfliche Team zu haben! Und werdenden Eltern empfehle ich: "Schlaft. Schlaft so viel ihr könnt!" (lacht). Denn nach der Geburt eines Kindes ist an viel Schlaf erst einmal nicht zu denken.

Worauf sollte man im Wochenbett unbedingt achten?

Auf einen gefüllten Kühlschrank, auf Ruhe und Erholung, ein warmes Bett und liebe Menschen, die einen in diesem besonderen Ausnahmezustand unterstützen. Ich bin großer Fan vom Babymoon, das heißt viel Ruhe für Mutter, Vater und Kind und Zeit zum Ankommen als Familie. Diese Zeit sollte einfach der kleinen Familie gehören, in der sich alle neu zusammenfinden müssen.

Möchten Sie noch etwas loswerden?

Ich wünsche mir für alle junge Familien und ihre Kinder, dass sie bald wieder eine Normalität leben dürfen, mit Umarmungen und Treffen ohne Abstand. Für die Babys wünsche ich mir Gesichter ohne Maske, da Emotionen über die Mimik transportiert werden. Für die Eltern- und Geschwisterschule wünsche ich mir, dass er wieder zu einem Ort voller Leben, (werdenden) Eltern und Babys wird. So wie vor Corona!

Herzlichen Dank, Pia Heusler!

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