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22.09.2020, Lüdenscheid

Tumore im Kopf-Hals-Bereich: Vorsorge kann Leben retten - auch in Corona-Zeiten

Fast unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung haben bösartige Tumore im Kopf-Hals-Bereich inzwischen die sechste Stelle in der Häufigkeit aller Tumorerkrankungen eingenommen. Doch ein frühzeitiger Arztbesuch und damit eine zeitnahe Diagnose, können die Heilungschancen von Betroffenen erheblich verbessern. Im Rahmen der europaweiten Kampagne der "European Head and Neck Society" (EHNS), deren Ziel es ist, das Bewusstsein für die immer häufiger auftretende Erkrankung Kopf-Hals-Krebs zu schärfen, erläutern Dr. Benedikt Knof, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische Operationen, Dr. Dieter Schnalke, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, sowie Prof. Dr. Rolf Larisch, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Lüdenscheid, Risikofaktoren, Symptome, und Therapiemöglichkeiten der Krebserkrankung. Ihr Appell an die Menschen in der Region: Früherkennung kann Leben retten - auch während der Corona-Pandemie.

"Wir haben beobachtet, dass die Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass viele Menschen in den letzten Wochen aus Angst vor einer möglichen Ansteckung den Arztbesuch oder wichtige Vor- und Nachsorgeuntersuchungen verschoben oder gänzlich abgesagt haben", weiß Dr. Knof. "Das ist fatal, denn so entdecken wir mögliche Tumore vielleicht zu spät. Durch Vorsorge und Früherkennung können Krebserkrankungen in frühen und heilbaren Tumorstadien diagnostiziert und entsprechend behandelt werden. Grundsätzlich gilt, je früher sie erkannt wird, desto größer ist die Chance, wieder gesund zu werden", erklärt er.

Weltweit ist die Wahrscheinlichkeit an Kopf-Hals-Tumoren zu erkranken in den vergangenen Jahren angestiegen, insbesondere bei Frauen. Am häufigsten von Kopf-Hals-Tumoren betroffen sind Rachen, Mundhöhle und Kehlkopf. Aber auch Tumore der Nase, der Nasennebenhöhlen, des äußeren Halses und der Schilddrüse zählen zu den Kopf-Hals-Tumoren. Diese machen 5 % aller Krebserkrankungen weltweit aus. Aufgrund eher harmlos wirkender Symptome werden sie häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert und behandelt. "Jährlich erkranken weltweit über 600.000 Patienten an Kopf-Hals-Tumoren. Mehr als 350.000 Patienten sterben daran", sagt Dr. Knof.

Symptome erkennen und frühzeitig reagieren

Zentrale Risikofaktoren sind insbesondere Rauchen und Alkohol sowie das sogenannte Humane Papillomvirus (HPV), das vor allem bei jüngeren Patienten vorkommt. Übertragen wird das Virus über sexuellen Kontakt und kann das Risiko für Krebserkrankungen im Bereich der Zunge, des Rachens und der Mandeln erhöhen. Doch egal, welche Ursache der Krebserkrankung zu Grunde liegt, eine frühzeitige Diagnose ist immer besonders wichtig. "Warnzeichen sind zum Beispiel Halsschmerzen, eine Schwellung am Hals, eine einseitig verstopfte Nase oder auch rote und/oder weiße Flecken im Mund sowie nicht heilende Wunden. Sollte eines dieser Symptome für länger als drei Wochen anhalten, ist es ratsam, einen Facharzt für HNO-Heilkunde auszusuchen", so der Experte. "Dieser kann die betroffenen Bereiche durch eine Spiegelung der Nase, des Rachens oder des Kehlkopfes direkt einsehen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen in der Klinik veranlassen."

Diagnostik und Therapie von Kopf-Hals-Tumoren

Bei Kopf-Hals-Tumoren erfolgt immer eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie. In Tumorkonferenzen besprechen die Kopf-Hals-Chirurgen und die Radioonkologen des Klinikums Lüdenscheid die optimale Therapie für jeden einzelnen Patienten. "Die Chirurgie, die Strahlentherapie, die Chemotherapie und die relativ neue Möglichkeit einer Immuntherapie bilden die vier Therapie-Säulen", so Dr. Schnalke, der für den Bereich Strahlentherapie am Klinikum Lüdenscheid verantwortlich ist. Für ein optimales Behandlungsergebnis komme je nach Art, Lokalisation und Vorgeschichte, aber auch Wunsch des Patienten, eine oder mehrere Therapiemodalitäten in Kombination zum Einsatz.

Auch die Nuklearmedizin trägt zur deutlich besseren Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren bei. Im Klinikum Lüdenscheid wird zunehmend das sogenannte PET-CT in der Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren genutzt. Das Verfahren der Positronen-Emissions-Tomographie, kurz PET, wird hierbei als bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin in Kombination mit der Computertomographie eingesetzt, um Tumore exakt einer bestimmten Körperstelle zuzuordnen und dann entsprechend zu behandeln", so Prof. Dr. Larisch, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Lüdenscheid. Das PET wird auch zur Suche von bisher unentdeckten Tumoren und Metastasen eingesetzt, was die weitere Behandlung natürlich positiv beeinflusst.

"Durch die Fortschritte in der Bildgebung verbessert sich auch die Behandlung von Tumoren kontinuierlich. Eine Bestrahlung, der sich Patienten mehrmals wöchentlich über etwa sechs bis acht Wochen unterziehen, hat früher bis zu 20 Minuten gedauert. Heute kann sie in nur 6 Minuten durchgeführt werden", erklärt Dr. Dieter Schnalke. Es komme bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich meist eine gleichzeitige Anwendung von Strahlentherapie und Chemotherapie zum Einsatz. Durch moderne medizintechnische Ausstattungen, dem wissenschaftlichen Fortschritt und die eingespielte, interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche am Klinikum Lüdenscheid, haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten enorm verbessert. "Neben der Therapie der akuten Erkrankung bieten wir im Anschluss an die Behandlung für einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren eine fest etablierte Spezialsprechstunde für Tumornachsorge an, die die Sicherheit für unsere Patienten noch erhöht. Diese Nachsorgetermine finden dann alternierend mit den niedergelassenen HNO-Kollegen in fest definierten Abständen statt."

Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, appellieren die drei Experten an die Menschen in der Region: "Sollten Sie die beschriebenen Symptome aufweisen, zögern Sie nicht und gehen frühzeitig zum Arzt - auch während der aktuellen Coronakrise. Es könnte Ihr Leben retten."

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