Zu den Inhalten springen
15.11.2019, Lüdenscheid

Rund um den Darm - Neues Futter für das zweite Gehirn

Darm-Aktionstag am Klinikum Lüdenscheid

Den Hauptakteur des Aktionstages konnte man beim Betreten des Klinikums Lüdenscheid sofort erkennen: In all seiner Pracht, mit einer Höhe von über zwei und einer Länge von acht Metern, präsentierte sich das größte innere Organ des Menschen, der Darm. Wie wichtig die Gesundheit des "zweiten Gehirns der Menschheit" wirklich ist, stellte die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie am vergangenen Samstag, mit viel Liebe zum Detail dar.
Ob Pfannkuchen, Porree oder Pillen, alles muss durch ihn hindurch. Die Bedeutung des Darms und seine Aufgaben, werden oft erst deutlich, wenn er Probleme bereitet. Wie viel wirklich dahinter steckt, ist den wenigsten bewusst, denn im Darm lassen sich mehr Neuronen finden als im Rückenmark. Das neuronale Netz, das sich um den Verdauungstrakt legt, ist beinahe ein Spiegelbild dessen, was in den Köpfen der Menschen stattfindet: Rezeptoren, Zelltypen und Wirkstoffe sind identisch. Kein Wunder also, dass der Darm unsere gesamte Gesundheit beeinflusst. Sowohl körperlich als auch psychisch, spiegelt jeder von uns jeden Tag das Befinden des Bauchgehirns nach außen.

Trotzdem bleibt ein Fakt: Der Darm und das Verdauungssystem sind nach wie vor gesellschaftliche Tabuthemen, über die, wenn überhaupt, leise hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird. Präventionsmaßnahmen, die jeder treffen kann, um die eigene Darmgesundheit zu fördern, bleiben immer noch viel zu oft ungenutzt. "Darmkrebs ist in Deutschland eine der häufigsten, metastasierenden, bösartigen Tumorerkrankungen und das, obwohl eine einzige Darmspiegelung das eigene Darmkrebsrisiko um fast 90 Prozent reduzieren kann.", sagt Prof. Dr. Christopher Kelm, Direktor der Klinik für Allgemein,- Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Denn Darmkrebs ist aufgrund der Art seiner Entstehung, eine der wenigen Tumorerkrankungen, die durch ein regelmäßiges Screening (Männer ab dem 50. Lebensjahr, Frauen ab dem 55. Lebensjahr) fast vollständig verhindert werden kann. Die sogenannten Adenome, also die Vorstufen des Darmkrebses, werden bei einer Darmspiegelung frühzeitig erkannt und meist sofort entfernt.

Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken, stimmt zu: "Natürlich muss jeder Mensch für trotzdem selbst wissen, welchen medizinischen Untersuchungen er sich unterziehen möchte. Jedoch wollen wir als Klinik dafür Sorge tragen, dass diese Entscheidung gut informiert getroffen wird."

Höhepunkt des Tages: Das Live-Cooking-Event für Patienten mit Stoma und anderen chronischen Darmerkrankungen. Inspiration hierfür lieferte dafür Fernsehen- und Bayern-Koch, Alfons Schuhbeck. Humoristisch moderiert, vom leitenden Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie, Dr. Sven Schröder, wurde den Teilnehmern gezeigt, wie darmgesunde Küche funktioniert. Dank der Unterstützung von Dirk Feistkorn, Koch im Klinikum, war die Veranstaltung ein leckerer Erfolg. Neben einer einfachen Idee für die wichtigste Mahlzeit des Tages (dem Frühstück) und einem leckeren Smoothie, zauberte Feistkorn ein wunderbares 4-Gänge-Menü. Alle Speisen konnten die Teilnehmer direkt verkosten.

Die Motivation für die Veranstaltung erklärt Dr. Schröder feinfühlig: "Menschen mit chronischen Darmerkrankungen haben oft Angst, dass die Krankheit ihr restliches Leben bestimmt und kein Genuss mehr möglich ist. Weil aber Genuss und somit gutes Essen die Lebensqualität nachhaltig beeinflussen, möchten wir zeigen: Ja, die Erkrankung ist da, aber sie ist nicht das Ende des Lebens!".

Am Ende der Veranstaltung konnten die Teilnehmer nicht nur viele Geschmäcker, sondern handfeste Hilfen mit nach Hause nehmen: Die Rezepte des Tages sowie das Kochbuch "Gesund genießen. Besser leben. Ernährungsratgeber für Stomaträger" als auch Informationen der Ernährungsberaterinnen des Klinikums, der Deutschen Ilco e. V und der AOK Nordwest und landete im Care-Paket für Zuhause. Letztere sorgten in gemeinsamer Kooperation für die Finanzierung des großen Darmmodells, das im Foyer des Klinikums zu finden war. Heike Mast-Dürwald, die die AOK auf der Veranstaltung vertrat, war begeistert vom Wissensdurst der Teilnehmer. Sie berichtete von vielen spannenden Gesprächen in angenehmer Atmosphäre.
Spätestens im März, zum Monat des Darmkrebses, wird das Klinikum Lüdenscheid wieder für Wirbel um den Darm sorgen.

Kategorien: