Zu den Inhalten springen
04.06.2019, Lüdenscheid

Wenn die Luft wegbleibt oder die Haut juckt

Wer als Kind vielen Keimen ausgesetzt war, entwickelt später seltener eine Allergie. Demnach werden die so genannten "Stallkinder",  also diejenigen, die auf einem Bauernhof groß werden, mit besonders vielen verschiedenen Bakterien kontaktiert. Das regt die kindliche Immunabwehr an und beugt späteren Reaktionen des Immunsystems vor. "Wissenschaftler erklären das mit der Hygiene-Hypothese. Wenn Kinder heutzutage in den ersten Lebensmonaten in einer relativ keimarmen Umgebung leben, erlernt das Immunsystem keine normale Antwort gegen üblicherweise harmlose Umweltstoffe und entwickelt im späteren Leben überschiessende Immunantworten, richtet sich möglicherweise sogar gegen körpereigene Strukturen", erklärte Dr. Holger Frenzke, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Lüdenscheid im Rahmen seines interessanten Vortrags mit dem Titel "Allergien bei Kindern".

Allergisches Asthma, Nahrungs- und Tierhaarallergien oder Neurodermitis entstehen, wenn die Immunabwehr Pollen, Hausstaubmilben oder tierische Eiweiße fälschlicherweise als Feinde ansieht. Das Immunsystem bildet Antikörper, die später eine Entzündungsreaktion im Körper auslösen, sobald sie auf Allergene treffen. In harmloseren Fällen kommt es zu Rötungen oder Schnupfen, es kann aber auch ein lebensbedrohlicher allergischer Schock ausgelöst werden.

Die Vererbung spiele bei der Entstehung von Allergien eine große Rolle, aber auch Umweltfaktoren,  berichtete Dr. Frenzke. Wenn nur ein Elternteil an allergischen Symptomen leidet, liegt  das Allergierisiko für den Nachwuchs bereits bei 50 Prozent. Haben beide Eltern Heuschnupfen, so besteht ein etwa 80-prozentiges Risiko, dass auch ihr gemeinsames Kind eine Allergie entwickelt. Wenn keine Allergien in der Familie bekannt sind, liegt das Risiko immer noch bei etwa 15 Prozent.

"Eine möglichst weitgehende Beschwerdefreiheit zu erreichen, ist unser Therapieziel. Das schaffen wir mit der Vermeidung des Allergens, einer medikamentösen Therapie und einer Immuntherapie", erklärte der Referent den interessierten Eltern, darunter auch einer Großmutter, die Allergie-Erfahrungen mit ihrem kleinen Enkel hat und der viele Fragen unter den Nägeln brannten.

So ist es bei Tierhaaren oder Nahrungsmitteln machbar, den Kontakt weitgehend zu vermeiden. Für Kinder mit einer Hausstaubmilbenallergie gibt es spezielle Bettenüberzüge, die Milben nicht hindurch lassen. Stofftiere sollten regelmäßig in der Tiefkühltruhe landen. Bei Nahrungsmittelallergien müssen selbstverständlich die auslösenden Allergene vermieden werden. Die medikamentöse Behandlung umfasst verschiedene Antihistaminika und Antiallergika, die es als Tabletten, Tropfen oder Spray gibt. Mit der so genannten Hyposensibilisierung kann die Empfindlichkeit des Körpers gegenüber Allergenen herabgesetzt werden und somit die Ursache der Erkrankung behandelt werden.

Kategorien: