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20.02.2019, Lüdenscheid

Dem Schmerz die Stirn bieten

Schmerzen können das Leben zur Hölle machen. Dennoch: Sie haben eine Warn- und Schutzfunktion und sind so Teil der menschlichen Sinneswahrnehmung. Wenn der Schmerz jedoch seine Warnfunktion verliert und dauerhaft anhält, spricht man von chronischem Schmerz. Über Behandlungsmöglichkeiten der modernen Schmerztherapie informierte Dr. Wolfgang Welke, Direktor der Klinik für Anästhesie und Schmerzmedizin am Marienhospital Letmathe, in einem anschaulichen Vortrag der Veranstaltungsreihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken" im Marienhospital.

"Generell wird Schmerz als chronisch eingestuft, wenn er länger als drei Monate anhält", erklärte Dr. Welke dem interessierten Publikum, von denen sich einige aus eigener Betroffenheit zu Wort meldeten und von einer wesentlichen Einschränkung der Lebensqualität berichteten. "Ein lange bestehender chronischer Schmerz führt fast immer auch zu seelischen Belastungen" so Dr. Welke, "deshalb muss und kann man dem Schmerz die Stirn bieten."

Ein wichtiger Bestandteil der Schmerzbekämpfung sind Medikamente, deren Wirkung und Nebenwirkungen Dr. Welke detailliert vorstellte. "Es gibt nicht die eine richtige Schmerztherapie, viel mehr muss sie individuell auf den Patienten zugeschnitten sein", so Dr. Welke, der sich bei jedem Patienten auf "Spurensuche" nach der richtigen Therapie macht: Der erste Schritt der Behandlung ist dabei stets eine sorgfältige Anamnese, bei der er im Gespräch mit dem Patienten die Symptome und Beschwerden detailliert erörtert. Auf der Basis von weiteren medizinischen Befunden schlägt er dann ein individuelles, auf das Beschwerdebild abgestimmtes therapeutisches Vorgehen vor.

Neben einer medikamentösen Behandlung kann eine so genannte Neurostimulation insbesondere bei chronischen Schmerzen im Rücken oder in den Beinen nach einer Gürtelrose oder bei sehr schweren Kopfschmerzen, die nicht auf Medikamentengabe ansprechen, sinnvoll sein. Mit der Neurostimulation werden Schmerzsignale verändert, bevor sie das Gehirn erreichen - dadurch wird Schmerz gelindert. Dazu wird ein Schmerzschrittmacher unter der Haut eingesetzt, der ungefähr die Größe einer Taschenuhr hat. Er gibt feine elektrische Impulse an das Rückenmark ab, die ein prickelndes oder kribbelndes Gefühl in dem Bereich, in dem der Patient zuvor chronische Schmerzen hatte, erzeugen.

Durch den Einsatz einer so genannten Schmerzpumpe, bei der ein dünner Schlauch in das Rückenmark gelegt wird, kann eine kontinuierliche Gabe von Medikamenten in das Nervenwasser der Wirbelsäule abgegeben werden. So kann unter Umständen die orale Gabe von Medikamenten verringert oder ganz vermieden werden - so treten weniger Nebenwirkungen auf, da der Wirkstoff kontinuierlich in sehr geringer Dosierung und gezielt verabreicht wird.

Häufig sind es schmerzhafte Entzündungsprozesse, Verwachsungen, Durchblutungsstörungen, Operationsnarben und Verklebungen oder Folgen von Bandscheibenerkrankungen, die die Patienten stark beeinträchtigen. "Ich kann nicht mehr als zehn Schritte ohne Schmerzen gehen", berichtete eine Besucherin des Vortrags, die sich in naher Zukunft einer Untersuchung bei Dr. Welke unterziehen möchte. Möglicherweise könnte ihr durch eine Epiduroskopie geholfen werden. Hierbei wird eine winzige Kamera in den Wirbelkanal eingeführt - vergleichbar mit einer Arthroskopie bei der Spiegelung von Gelenken. Der Eingriff geschieht sehr schonend und wird in Lokalanästhesie durchgeführt. Auf einem Monitor können dann sehr genau krankhafte Zustände, wie beispielsweise in Fällen von fehlgeschlagenen Bandscheibenoperationen beurteilt und auch behandelt werden.

Das Publikum im gut besetzten Veranstaltungsraum war überrascht über die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Schmerzmedizin, die Dr. Welke und sein Team im Marienhospital Letmathe anbieten und hatte noch viele Fragen in eigener Sache.

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