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Klinik für Chirurgie

Häufige Operationen

Hernien-Chirurgie (Bruch-Operationen)

Hernien (lat. von hernia "Knospe, Spross") sind Brüche der Weichteile der Bauchwand bzw. Leistenregion. Wobei der Begriff "Bruch" irreführend ist, da es sich nur sehr selten um ein Zerreißen oder Brechen des Gewebes handelt. Vielmehr handelt es sich um ein Auseinanderweichen, sodass Lücken in der Bauchwand entstehen. Meist sind diese Lücken in der Bauchwand angeboren oder entstehen im Laufe des Lebens durch eine Dehnung des Gewebes, Überbeanspruchung oder durch vorangegangene Operationen. Dabei besteht die Gefahr der Einklemmung von Baucheingeweiden (hierbei ist meist der Darm betroffen) mit dem Risiko des Absterbens des eingeklemmten Organs, was besonders bei Belastung mit sehr starken Schmerzen verbunden ist.


Brüche können in jedem Lebensalter eines Menschen entstehen. Pro Jahr werden in Deutschland rund 200.000 Leistenbrüche operiert und zählen damit zu den häufigsten operationspflichtigen Erkrankungen. Frauen und Männer sind davon gleichermaßen betroffen. Rein statistisch jedoch sind Männer 4-8x häufiger von Brüchen betroffen als Frauen. Und: Brüche heilen nie von selbst! Ganz im Gegenteil - ein Bruch nimmt in aller Regel zu, je mehr Zeit Sie vergehen lassen. Hernien sollten, wenn sie Schmerzen machen, operiert werden - eine Therapie ohne Operation ist nicht in der Lage den Weichteilbruch zu beseitigen, noch können die Schmerzen gelindert werden, welche die eingeklemmten Bauchorgane verursachen.


Die Klinik für Chirurgie des Marienhospitals Letmathe behandelt sämtliche Arten von Hernien. Dabei kommen moderne und etablierte Operations-Verfahren zur Anwendung. Die Operationen erfolgen dabei offen-chirurgisch über einen Hautschnitt oder minimal-invasiv über eine Bauchwandspiegelung (Laparoskopie bzw. "Schlüsselloch-Chirurgie"). Zudem versorgen wir Hernien weiterhin mittels Naht oder unter Verstärkung eines nicht-resorbierbaren Kunststoffnetzes. Wir führen Bruch-Operationen vor allem ambulant aber auch stationär durch. Leisten- und Nabelhernien versorgen wir ambulant, insbesondere wenn eine laparoskopische Versorgung angedacht ist. Da wir Ihren Krankenhausaufenthalt auf eine absolut minimale Zeit begrenzen möchten, führen wir die OP-Vorbereitung ambulant durch. Dazu zählen die Untersuchung, Blutentnahme, Prämedikation, die Operations-Aufklärung sowie weitere Voruntersuchungen. Praktisch bedeutete dies, dass Sie frühmorgens nüchtern zu uns ins Haus kommen und noch am selben Tag operiert werden. Narbenhernien und sehr große Brüche müssen wir jedoch stationär behandeln, da hierbei häufig weitere vorbereitende Maßnahmen notwendig sind. Das Ziel der operativen Behandlung von Hernien ist es, diese dauerhaft zu beseitigen, um ein weiteres Einklemmen von Baucheingeweiden auszuschließen sowie die Belastungsfähigkeit Ihres Bauchraumes wieder herzustellen. Bereits 2 bis 3 Tagen nach einer Leisten-Operation sind Sie meist in der Lage wieder Sport zu treiben und einer körperlichen Arbeit nachzugehen.

Der Leistenbruch (Leistenhernie)

Hinter dem Begriff eines Leistenbruches verbirgt sich eine Ausstülpung des Bauchfells, die angeboren oder erworben sein kann. Der Leistenbruch besteht aus der Bruchpforte (Bauchwandlücke), dem Bruchsack (vorgefallenes Bauchfell sowie dem Bruchinhalt (Teile von inneren Organen, welche in den Bauchsack gerutscht sind). Und wie entsteht ein Leistenbruch? Im Erwachsenenalter sind hierfür mehrere Faktoren verantwortlich.  Leider verfügt der menschliche Bauchraum über gleich mehrere anatomische Schwachstellen. Generell ist zu sagen, dass ein Leistenbruch nur entstehen kann, wenn bereits eine Schwächung der Bauchwand vorliegt. Kommt dann eine länger andauernde Druckerhöhung des Bauchinnenraums hinzu - etwa durch eine Schwangerschaft, Verstopfung oder Prostata-Vergrößerung - in Kombination mit einer kurzfristigen Druckerhöhung des Bauchinnenraums (etwa durch starken Husten oder konzentriertes Pressen beim Stuhlgang) ist ein Leistenbruch fast immer vorprogrammiert. Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise Stoffwechselstörungen, Eiweißmangel sowie Übergewicht.

Symptome

Das häufigste Symptom eines Leistenbruches ist eine plötzlich auftretende, meist schmerzlose Wölbung der Bauchhaut neben dem Schambeinhöcker. Diese Vorwölbung der Bauchhaut erkennen Sie nur im Stehen oder beim Pressen. Viele Patienten äußern ein Missempfindungen in der Leistengegend, insbesondere beim Husten oder Pressen, zum Teil mit einem Ziehen bis in den Hoden hinab sowie eine Art Fremdkörpergefühl bei sitzender Position. Besteht eine Hernie bereits längere Zeit, kann die Schwellung bis in den Hodensack hinunterreichen. Zudem ist die Wölbung dann auch durch die Kleidung erkennbar und verschwindet nicht mehr von selbst - etwa wenn man sich legt. Konsultieren Sie unbedingt Ihren Arzt! Ein Leistenbruch in diesem Stadium entwickelt sich häufig zu einem chirurgischen Notfall, wenn es zu einer Einklemmung (Inkarzeration) des Darms kommt. Eine sofortige Operation ist unbedingt notwendig, da die eingeklemmten Organe rasch absterben können.

Die Operationsverfahren

Generell unterscheiden wir heutzutage drei operative Verfahren: 

  • Konventionelle (offene) Bruch-Operationen ohne Einlage eines Kunststoffnetzes (z.B. Shouldice-Operation)
  • Konventionelle (offene) Bruchoperation mit Einlage eines Kunststoffnetzes   (z.B. Lichtenstein-Operation, OP nach Rutkow)
  • Endoskopische (d.h. über eine Bauchwandspiegelung) Bruchoperation mit   Netzimplantation

Alle drei operativen Methoden haben ein Ziel - den Verschluss der Bruchpforte und eine Verstärkung der Bauchwandhinterdecke der Leistenregion. Im Rahmen der Shouldice-Operation geschieht dies durch eine fortlaufende Naht. Bei der offenen Operation nach Lichtenstein bedecken wir die Bruchlücke durch ein von vorne aufgelegtes Kunststoffnetz und bei der endoskopischen Methode platzieren unsere Operateure ein 10x15 cm großes Kunststoffnetz zwischen Bauchfell und Bauchwand ohne in den Bauchraum selbst zu gelangen. Dies ist unsere bevorzugte Methode.

Narbenhernien-Chirurgie

Unter Narbenhernien werden Weichteilbrüche im Bereich von Operationsnarben von vorangegangenen Bauchoperationen verstanden. Verantwortlich für diese Art von Brüchen ist meist eine Bindegewebsstörung im Bereich der Operationsnarbe. Da diese Art von Hernien in aller Regel recht groß sind, ist ein Klinikaufenthalt unumgänglich. Grund hierfür sind meist umfangreiche und aufwändige Operationsvorbereitungen und die im Bruch befindlichen Eingeweide nicht ohne weiteres in den Bauchraum zurückverlagert werden können.

Wir führen Narbenhernien-Operationen insbesondere dann, wenn sie größer sind als offene Operation durch um die Bauchwand in ihrer Statik zu verbessern. Es wird nicht nur ein Netz zur Verstärkung der Bauchwand hinter die Bauchwandmuskulatur gelegt, sondern auch die feste, den Muskel umgebende Schicht: die Faszie gesondert vernäht. Dies ist ein präparatorisch aufwendiges Verfahren, welches aber eine hohe Stabilität der Bauchwand ergibt. Die Wunde ist in den Bauchdecken groß, oft fließt über 2 bis 4 Tage Wundwasser in die Drainagen. Eine effektive Schmerztherapie ist wichtig. Das postoperative Ergebnis ist nicht nur kosmetisch sondern auch durch die errreichte Stabilität überzeugend.