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10.10.2017, Lüdenscheid

Pflege ohne Fixierung - der richtige Umgang mit Demenzerkrankten

Der große Saal im Seminarzentrum des Klinikums Lüdenscheid war am vergangenen Mittwoch bis auf den letzten Platz gefüllt, das Interesse war groß. Pflegekräfte, Heimleitungen und pflegende Angehörige aus dem gesamten Märkischen Kreis und dem Raum Südwestfalen haben sich auf den Weg gemacht, um Lösungen, neue Impulse und Antworten zum Thema „Freiheitserhaltende Maßnahmen für Menschen mit Demenz“ zu bekommen. Wie kann man die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz im Pflegealltag von Senioreneinrichtungen, Kliniken oder in der häuslichen Pflege besser erkennen und berücksichtigen? Was sind überhaupt freiheitsentziehende Maßnahmen und welche alternativen Maßnahmen gibt es? Fragen, die vielen Pflegenden an diesem Morgen auf der Seele brannten. Denn: Mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung, steigt auch das Risiko an einer dementiellen Störung zu erkranken. Und das stellt Pflegende täglich vor neue Herausforderungen.

„Auch Demenzerkrankten muss eine Autonomie und Selbstständigkeit zuteilwerden“, betonte Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, in seinen Begrüßungsworten an die zahlreichen Besucher. Ein Bewusstseinswandel habe in den letzten Jahren stattgefunden. „So ist die Zahl der genehmigten Fixierungen im letzten Jahrzehnt bundesweit um mindestens ein Drittel zurückgegangen“, berichtete Gemke den Zuhörern bevor er das Wort an Dieter Dzewas, Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid, übergab, der ebenfalls gekommen war, um einige Grußworte zu diesem wichtigen Thema an die Besucher zu richten. „Es braucht gute Konzepte und Rahmenbedingungen, denn die Pflege von Demenzkranken ist eine schwere Tätigkeit, für die qualifiziertes Personal nötig ist“, sagte Dzewas zu Beginn der Fachtagung.

Und dann fiel der Startschuss für die Fachvorträge am Vormittag. Mit einem Zitat von Benjamin Franklin: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“, eröffnete Prof. Birgit Schuhmacher, Soziologin an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, ihren Vortrag zum Thema „Für Sicherheit sorgen, ohne zu schaden“ und ging der Frage auf den Grund, was eigentlich freiheitsentziehende Maßnahmen sind. Neben rechtlichen Aspekten zeigte die Referentin aber auch ganz praktische Möglichkeiten auf, wie man im Pflegealltag Fixierungen vermeiden kann und welche alternativen Hilfsmittel es gibt. Detlef Rüsing, Leitung Dialog und Transferzentrum Demenz an der Universität Witten-Herdecke, hingegen, thematisierte in seinem Vortrag besonders den richtigen Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Die inhaltlichen Impulse regten viele Zuhörer an, Fragen zu stellen. Einige erzählten von persönlichen Erfahrungen. So entstand auch zwischen den Vorträgen ein reger Dialog und Austausch zwischen den Referenten und Besuchern, der auch bei einem Snack in der Mittagspause weitergeführt werden konnte.

In kleineren Arbeitsgruppen wurden am Nachmittag verschiedene Themenbereiche genauer betrachtet, zu denen sich die Besucher im Vorfeld anmelden konnten. Welche Wirkung haben Medikamente auf die Mobilität und das Verhalten von Heimbewohnern? Dieser Fragestellung widmete sich beispielsweise Volker Wippermann, Chefarzt der Gerontopsychiatrie in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer, und seine Teilnehmer. In weiteren Arbeitsgruppen wurden Themen wie „Wirksame Intervention in Pflegeheim und Psychiatrie“ oder „Nicht-medikamentöse Therapieoptionen in Alten- und Pflegeheimen“ bearbeitet und diskutiert.

Die Fachtagung wurde in Kooperation vom Demenz-Servicezentrum NRW, Region Dortmund, dem Märkischen Kreis, den Märkischen Kliniken und dem Netzwerk Demenz Lüdenscheid veranstaltet.

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