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11.12.2020, Märkischer Kreis

Kliniken am Limit: Märkischer Kreis und Märkische Kliniken appellieren gemeinsam an die Bevölkerung und die Landespolitik

"Nur gemeinsam können wir einander schützen. Bleiben Sie zuhause. Meiden Sie Kontakte" - mit diesem gemeinsamen Appell richten sich der Märkische Kreis und die Märkischen Kliniken an alle Menschen in der Region. Zugleich bitten Sie die Landespolitik entschlossen zu handeln und die Lockdown-Regeln zügig zu verschärfen. Grund ist die angespannte und sich zuspitzende Lage der intensivmedizinischen Kapazitäten. Die Zahl der behandlungsbedürftigen Covid-19-Erkrankten steigt in den Märkischen Kliniken, wie auch in allen anderen Krankenhäuser Nordrhein-Westfalens, rasant. Dies und der hohe pandemiebedingte Ausfall an pflegerischem und ärztlichem Personal bringen die Krankenhäuser an ihre Grenzen.

AHA-Regeln retten Leben

Dazu Volker Schmidt, Leiter Krisenstab und Leiter Gesundheitsamt: "Die COVID-Fallzahlen im Märkischen Kreis, wie in Nordrhein-Westfalen insgesamt und damit auch die Zahl der Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen, bringen die Kliniken in allen Bereichen an ihre Belastungsgrenzen. Ein wichtiger und einfacher Hebel für die Eindämmung der Pandemie ist die strikte Einhaltung der AHA-Regeln durch alle Menschen. Nur so kann die Zahl der Infektionen reduziert werden. Man muss sich vor Augen führen, dass positive Effekte in der Bevölkerung erst mit zwei Wochen Verzögerung in den Krankenhäusern an-kommen, so, dass sich die Belastungen in den nächsten Tagen noch verschärfen werden. Niemand kann das Leid der Patienten selbst und auch ihrer Angehörigen in der akuten Krankheit ermessen. Jede Covid-19-Erkrankung, die wir vermeiden, hilft denjenigen, die auf eine medizinische Versorgung auch unabhängig von COVID-19 angewiesen sind."

Normale Krankenversorgung nicht mehr möglich  

Dazu Dr. Dieter Schnalke, Ärztlicher Direktor Märkische Kliniken: "Eine normale Kran-kenversorgung ist nicht mehr möglich, immer mehr OP´s werden vorschoben. Die schweren, langwierigen Covid-Verläufe belasten die Ressource "Krankenhaus" inzwischen extrem, "normale" Krankheiten, Verletzungen oder jahreszeittypische Erkrankungen nehmen durch die Covid-Situation zusätzlich kompliziertere Verläufe. Wir stehen am Anfang des Winters und jetzt schon sind alle Rückfallebenen zugunsten Corona aufgebraucht. Unser Personal arbeitet täglich an der absoluten Belastungsgrenze. Erschwerend kommt hinzu, dass reguläre und notwendige medizinische Eingriffe nicht mehr wie gewohnt durchgeführt werden können. Ein Teil der OP-Säle wird geschlossen und das Personal zur Behandlung von Covid-Patienten eingesetzt. In dieser angespannten Situation gewährleisten die Märkischen Kliniken die Notfallversorgung und führen die planbaren, elektiven Eingriffe stark eingeschränkt durch."

Intensivstationen an Kapazitätsgrenze

Dazu Prof. Dr. Dr. Dipl.Psych. Thomas Uhlig, Leiter der Intensivstation: "Unsere Belas-tungsgrenze ist bereits erreicht und unsere Intensivstationen sind überbelegt durch die an Covid-erkrankten Patienten, aber auch die jahreszeitbedingten Erkrankungen. Dennoch kämp-fen die Märkischen Kliniken um eine adäquate Intensivversorgung unter Pandemiebedingungen. So werden die Intensivbetten von gegenwärtig 46 Betten auf nunmehr 50 Betten aufgestockt. Das entspricht schon jetzt nahezu einer Verdopplung der Intensivkapazitäten zum Normalbetrieb. Dafür musste eine weitere Station geschlossen werden. Das Hauptproblem ist die hohe Zahl der erkrankten oder in Quarantäne befindlichen Mitarbeiter. Wir haben keine Möglichkeiten mehr, durch weitere Stationsschließungen zusätzliches Personal für die Covid-Patienten zu generieren."

Jetzt handeln  

Dazu Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung: "Sollten die Fallzahlen weiter so rasant steigen, gelangt das medizinische Personal in den Märkischen Kliniken, aber auch landesweit ebenso wie die Krankenhausversorgung insgesamt an ihr Limit. Eine adäquate medizinische Versorgung kann dann nicht mehr gewährleistet werden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Außergewöhnliches, sie gehen an die physischen und psychischen Grenzen - und darüber hinaus. Unter diesen Bedingungen lässt sich nicht mehr aus-schließen, dass das Gesundheitssystem kollabiert. Umso wichtiger ist der Appell an alle Bür-gerinnen und Bürger und an die Landespolitik: "Halten Sie die Hygiene-Regeln ein, passen Sie die Lockdown-Regeln zügig den Erfordernissen an, verhindern Sie die Überlastung Ihrer Krankenhäuser."

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