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04.12.2020, Lüdenscheid

Kinderklinik am Klinikum Lüdenscheid und Sozialmedizinisches Nachsorgezentrum Dortmund kooperieren

Schwerkranke Kinder und deren Familien nach der Entlassung aus dem betreuten Klinikalltag weiter versorgen, Ängste nehmen und Sicherheit geben: Das sind die zentralen Aufgaben und Ziele der sozialmedizinischen Nachsorge. Um den jungen Patienten und ihren Familien im Märkischen Kreis dieses Angebot der Weiterbetreuung zu ermöglichen, kooperiert die Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Lüdenscheid seit September dieses Jahres mit dem Sozialmedizinischen Nachsorgezentrum des Westfälischen Kinderzentrums Dortmund. Eine Leistung, mit der eine wichtige Versorgungslücke in der Region geschlossen wird.

Jedes Jahr werden über 40.000 Familien in Deutschland mit einer veränderten Lebenssituation konfrontiert, weil ihr Kind schwer erkrankt, chronische Leiden hat oder zu früh geboren wird. Dies bringt erhebliche seelische, körperliche, soziale und finanzielle Belastungen mit sich - und überfordert viele Familien. "Durch die Kooperation mit der Sozialmedizinischen Nachsorge der Kinderklinik Dortmund, können wir diesen Familien beim Übergang vom Krankenhaus in die heimische Umgebung unter die Arme greifen. Ein Angebot, dass es im Märkischen Kreis in dieser Form bisher nicht gab", erzählt Dr. Holger Frenzke, Klinikdirektor der Kinderklinik in Lüdenscheid. Die Nachsorgeleistung, die nach den Qualitätsstandards des Bundesverbandes Bunter Kreis e.V. arbeitet, ist kostenlos und wird nach Verordnung des Arztes und genehmigter Antragstellung von den Krankenkassen übernommen.

"Ohne das Netz der Klinik beginnen die Probleme"
Die sozialmedizinische Nachsorge beginnt schon während des stationären Aufenthaltes des Kindes. Einmal wöchentlich - immer donnerstags - ist das Nachsorge-Team um Ulrike Jägermann, Leiterin der Sozialmedizinischen Nachsorge am Klinikum Dortmund, im Klinikum Lüdenscheid. "Wir diskutieren gemeinsam mit Dr. Frenzke für welche Patienten unser Angebot in Betracht kommt, gehen mit auf Visite, sprechen mit den Betroffenen und analysieren und besprechen den Versorgungs- und Hilfebedarf", so Jägermann. Wenn die Eltern das Nachsorge-Angebot annehmen, bereitet das Team sie auf die Entlassung vor und steht den Familien während regelmäßiger Hausbesuche sowohl unterstützend als auch beratend zur Seite. "Im Krankenhaus werden die Kinder mit modernster Medizin versorgt. Doch zuhause, ohne das Netz der Klinik, beginnen die Probleme. Genau hier setzt unsere Arbeit an", erklärt sie.
Ein schwerstkrankes Kind - z.B. ein extrem Frühgeborenes, ein Kind mit Down-Syndrom oder Fehlbildungen - zu versorgen, stellt für die meisten Familien eine große Herausforderung dar, "die mit Gefühlen wie Angst, Schuld, Wut, Hilflosigkeit und einer grundlegenden Überforderung verbunden ist. Hinzu kommen das unübersichtliche Gesundheitssystem, komplexe Therapien sowie die Neuorganisation des Berufs- und Familienlebens. Im Fokus unserer Arbeit stehen deshalb neben der medizinischen Versorgung des erkrankten Kindes auch die Familie, das Beziehungssystem und die Lebensumwelt", weiß Daniela Michel, Kinderkrankenschwester und Teil des Nachsorge-Teams. So unterstützen sie im interdisziplinären Team, das die Bereiche Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik und Case Management abdeckt, für durchschnittlich drei Monate nach Entlassung auf allen Ebenen: "Wir planen und koordinieren notwendige ambulante Therapien, kümmern uns bei Bedarf um Entlastungsangebote, wie etwa eine Haushaltshilfe, unterstützen bei der häuslichen Versorgung des Kindes sowie bei der Antragstellung von sozial-rechtlichen Leistungen wie z.B. Pflegegrad usw., klären auf, beraten und informieren und stellen die Vernetzung der Leistungserbringer sicher", erläutert Mareike van Leeuwen, Sozialpädagogin und die Dritte im Nachsorge-Team für Lüdenscheid.

"Diese Kooperation ist eine Win-win-Situation. Das Nachsorge-Team ist nah an den Familien, kann uns zu alltäglichen Dingen der häuslichen Versorgung Rückmeldung geben und sorgt für eine gute Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten hier im Kreis, die ja eine wesentliche Rolle bei der Weiterbetreuung spielen. So können wir unsere Arbeit entsprechend noch weiter optimieren und unsere kleinen Patienten mit Familie noch besser unterstützen", freut sich Dr. Frenzke.

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