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30.06.2020, Lüdenscheid

Corona Pandemie verdeutlicht notwendigen Strukturwandel

Lasten der Corona-Pandemie ungleich verteilt

Nach dem jüngsten Krankenhausratingreport wird für das laufende Jahr mit einem leichten Rückgang der Insolvenzgefahr für die deutschen Krankenhäuser gerechnet. Offensichtlich werden die wirtschaftlichen Risiken der Corona Pandemie weitgehend abgefedert. Dass dies aber nur pauschal über alle Krankenhäuser gelten könnte und sich im Einzelfall ganz anders darstellen kann, zeigt eine Umfrage der Allianz Kommunaler Großkrankenhäusern (AKG) unter ihren Mitgliedern. "Bis auf wenige Ausnahmen rechnen die großen kommunalen Krankenhäuser mit einer deutlichen Verschlechterung des Jahresergebnisses gegenüber ihrer ursprünglichen Planung", fasst Nils Dehne, Geschäftsführer der AKG, die Ergebnisse der Erhebung zusammen. Im Durchschnitt ergeben sich dabei pandemiebedingte Verluste von rund 5 Mio. € je Haus. Die Umfrage bestätigt damit die Befürchtungen der AKG, dass die Ausgleichspauschalen nicht nur zu erheblichen Fehlanreizen in der Versorgung geführt haben, sondern für viele Maximalversorger schlicht nicht kostendeckend sind:  Schwere Covid-19 Fälle sind unterfinanziert, leichte Covid-19 Fälle erlösen weniger als die Freihaltepauschale.

Während die kommunalen Großkrankenhäuser zusammen mit ihren Kommunen und den öffentlichen Gesundheitsdiensten die Hauptlast der Patientenversorgung getragen haben und auch weiterhin umfangreiche Strukturen zur Pandemiebekämpfung vorhalten, wird das Freihalten von Betten in kleinen spezialisierten Einrichtungen besonders belohnt. "Es darf nicht sein, dass diejenigen Krankenhäuser, die die Hauptlast der Covid-19 Versorgung getragen haben, am Ende zu den wirtschaftlichen Verlierern werden", fordert der Vorstandsvorsitzende der AKG, Dr. Matthias Bracht.

Strukturprobleme werden durch Finanzierungssystem manifestiert


Die AKG-Kliniken erkennen in der jüngsten Ausdifferenzierung der Freihauschalen und der Berücksichtigung der Intensivkapazitäten den Versuch der Experten, die jeweilige Versorgungsrolle der Krankenhäuser in der aktuellen Krisenlage berücksichtigen zu wollen. "Einmal mehr wird aber deutlich, dass die Systematik des bestehenden DRG-Systems nur Antworten auf leistungs- und nicht versorgungsorientierte Herausforderungen liefern kann", bringt Dr. Bracht die Ergebnisse auf den Punkt. Aus guten Gründen wurde gerade in der Corona-Pandemie plötzlich der Ruf nach einer klaren und differenzierten Rollenverteilung auch zwischen den Krankenhäusern laut: Regional abgestufte Versorgungsrollen wurden gefordert und umgesetzt. Das geltende Vergütungssystems nach DRGs - und damit auch die festgelegten Freihaltepauschalen - bewerten aber kleine spezialisierte Einrichtungen mit einem selektiven Patientenklientel und große Maximalversorger mit einer umfassenden Versorgungsverantwortung innerhalb der Region gleich. So profitieren hochspezialisierte Kliniken mit einem eingeschränkten Leistungsspektrum und materialintensiven Behandlungen (z.B. Endoprothetik) besonders von der neuen Berechnungslogik für die Freihaltepauschalen. "Die Debatte um die Ausgleichspauschalen hat einmal mehr gezeigt, dass dem deutschen Gesundheitswesen ein geeignetes Instrument zur Berücksichtigung der regionalen Versorgungsrolle fehlt", weißt Dehne auf den bestehenden Reformbedarf hin.

Ausdifferenzierungen im DRG-System


Der Wettbewerbscharakter des bestehenden Systems ist für einzelne Leistungsbereiche mit gut planbaren und standardisierbaren Behandlungen geeignet, um eine wirtschaftliche und zugleich hochwertige Versorgung sicherzustellen. "Gleichzeitig kommen wir jedoch nicht umhin, gesellschaftlich relevante Leistungsbereiche zu definieren, bei denen die Bereitstellung und Vorhaltung entsprechender Kapazitäten alleine einen entsprechenden Wert und damit einen Vergütungsanspruch generiert", fasst Dr. Bracht die Position der AKG-Kliniken zusammen. "Anstatt kurzfristig mit viel Aufwand und extremen Kosten überall im Land zusätzliche Intensivkapazitäten zu fördern, würde eine leistungsunabhängige Strukturpauschale für Intensivstationen in ausgewiesenen Zentren den zukünftigen Versorgungsbedarf mit allen notwendigen Spielräumen zielgerichtet sicherstellen", erläutert Dehne die Funktionsweise der von den AKG-Kliniken bereits vor Corona-Zeiten geforderten Strukturpauschale. Es ist gerade die Vermengung der verschiedenen Leistungsbereiche in einem einheitlichen und rein an erbrachten Leistungen und Prozeduren gemessenen Vergütungssystem, die zu strukturellen Problemen in der Versorgung führt. So werden Anreize zur Spezialisierung und Fokussierung auf besonders lukrative Behandlungen geschaffen, während die Versorgung komplexer und aufwendiger Patienten in den Hintergrund tritt.

Auch wenn das DRG System seit seiner Einführung zu einer deutlichen Leistungstransparenz und Leistungsorientierung geführt hat, kennt es nur eine Logik: Ressourcenaufwand für eine erbrachte Leistung. Die Erfahrung - auch aus der Corona Pandemie - zeigt aber, dass eine gute Versorgung auch von der Vorhaltung und der Art und Weise der Leistungserbringung abhängt. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, das System weiter zu entwickeln und um weitere Erlösbestandteile zu ergänzen: Die Vorhaltung von nicht durchgängig gebrauchten Versorgungsstrukturen, eine qualitativ und quantitativ hochwertige pflegerische Versorgung oder eine hohe Patientenzufriedenheit müssen genauso erlösrelevant sein, wie gute und effiziente Prozesse.

Die AKG-Kliniken

Die AKG-Kliniken sind ein Interessenverbund von 24 Großkrankenhäusern und Krankenhausverbünden aus dem gesamten Bundesgebiet mit einem Umsatz von insgesamt 9,5 Milliarden Euro. Sie repräsentiert derzeit ca. 42.500 Betten und vertritt damit rund 9,0 % der gesamtdeutschen Krankenhausversorgung. Gut 1,75 Millionen Patienten im Jahr werden in den Häusern der AKG-Kliniken von nahezu 120.000 Mitarbeitenden vollstationär behandelt. Alle Mitglieder sind Maximalversorger in kommunaler Trägerschaft und decken damit das gesamte medizinische Spektrum ab. Als kommunale Krankenhäuser erbringen die Mitglieder der AKG-Kliniken eine wichtige Leistung für die Versorgung der gesamten Bevölkerung, von der Grund- bis zur Maximalversorgung. Damit leisten sie einen wichtigen gesundheitspolitischen Beitrag. Die Gewinne werden reinvestiert und nicht an Investoren abgeführt. So bleiben die Gelder den Regionen erhalten.

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