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06.07.2017, Letmathe

Schmerz - wenn der Körper Alarm schlägt

Wer an ein heißes Bügeleisen fasst, zuckt reflexartig zurück, denn der Schmerz signalisiert Gefahr. Hierbei handelt es sich um das natürliche "Alarmsystem" des Körpers. Wenn der Schmerz jedoch seine Warnfunktion verliert und dauerhaft anhält, spricht man von chronischem Schmerz. Über Behandlungsmöglichkeiten der modernen Schmerztherapie informierte Dr. Wolfgang Welke, Direktor der Klinik für Anästhesie und Schmerzmedizin am Marienhospital Letmathe, in einem lebendigen Vortrag, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dienstags in den Märkischen Kliniken" in Kooperation mit der AOK NORDWEST stattfand.

"Generell wird Schmerz als chronisch eingestuft, wenn er länger als drei Monate anhält", erklärte Dr. Welke dem interessierten Publikum, von denen sich viele von chronischen Schmerzen und einer Einschränkung der Lebensqualität betroffen zeigten. "Schmerz ist aber nicht gleich Schmerz. Menschen empfinden ihn höchst unterschiedlich. Aber ein lange bestehender chronischer Schmerz führt unweigerlich auch zu seelischen Belastungen" so Dr. Welke.

Und so begibt sich der Experte in Sachen Schmerztherapie bei jedem Patienten erneut auf "Spurensuche": Der erste Schritt der Behandlung ist dabei stets eine sorgfältige Anamnese, bei der er im Gespräch mit dem Patienten die Symptome und Beschwerden detailliert erörtert. Auf der Basis von weiteren medizinischen Befunden schlägt er dann ein individuelles, auf das Beschwerdebild abgestimmtes therapeutisches Vorgehen vor.

Neben einer medikamentösen Behandlung kann eine so genannte Neurostimulation insbesondere bei chronischen Schmerzen im Rücken oder in den Beinen nach einer Gürtelrose oder bei sehr schweren Kopfschmerzen, die nicht auf Medikamentengabe ansprechen, sinnvoll sein. Mit der Neurostimulation werden Schmerzsignale verändert, bevor sie das Gehirn erreichen - dadurch wird Schmerz gelindert. Dazu wird ein Schmerzschrittmacher unter der Haut eingesetzt, der ungefähr die Größe einer Taschenuhr hat. Er gibt feine elektrische Impulse an das Rückenmark ab, die ein prickelndes oder kribbelndes Gefühl in dem Bereich, in dem der Patient zuvor chronische Schmerzen hatte, erzeugen.
Durch den Einsatz einer so genannten Schmerzpumpe, bei der ein dünner Schlauch in das Rückenmark gelegt wird, kann eine kontinuierliche Gabe von Medikamenten in das Nervenwasser der Wirbelsäule abgegeben werden. So kann unter Umständen die orale Gabe von Medikamenten verringert oder ganz vermieden werden - so treten weniger Nebenwirkungen auf, da der Wirkstoff kontinuierlich in sehr geringer Dosierung und gezielt verabreicht wird.

Häufig sind es schmerzhafte Entzündungsprozesse, Verwachsungen, Durchblutungsstörungen, Operationsnarben und Verklebungen oder Folgen von Bandscheibenerkrankungen, die die Patienten stark beeinträchtigen. "Ich kann nicht mehr als zehn Schritte ohne Schmerzen gehen", berichtete eine Besucherin des Vortrags, die sich in naher Zukunft einer Untersuchung bei Dr. Welke unterziehen möchte. Möglicherweise könnte ihr durch eine Epiduroskopie geholfen werden. Hierbei wird eine winzige Kamera in den Wirbelkanal eingeführt - vergleichbar mit einer Arthroskopie bei der Spiegelung von Gelenken. Der Eingriff geschieht sehr schonend und wird in Lokalanästhesie durchgeführt. Auf einem Monitor können dann sehr genau krankhafte Zustände, wie beispielsweise in Fällen von fehlgeschlagenen Bandscheibenoperationen beurteilt und auch behandelt werden.

Das Publikum im voll besetzten Veranstaltungsraum war am Ende erstaunt und begeistert über die facettenreichen Möglichkeiten der modernen Schmerzmedizin, die Dr. Welke und sein Team im Marienhospital Letmathe anbieten. Und der eine oder andere Besucher schöpfte Hoffnung, die eigenen - manchmal zermürbenden - Schmerzen nach einer Behandlung durch Dr. Welke wieder loszuwerden.

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