Unternehmensverbund Märkische Kliniken GmbH

Geschichte

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AufderEgge

Die 125jährige Geschichte der Stadtklinik Werdohl ist ein geradezu klassisches Beispiel für die Entwicklung des Krankenhauswesens von einer ursprünglich ausschließlich karitativen Aufgabe, die in der Regel von den Kirchen wahrgenommen wurde, zu einer gesetzlich genau festgelegten öffentlichen Verpflichtung, die Krankenhausversorgung sicherzustellen.
Die Entwicklungsgeschichte zeigt, dass die Krankenpflege vor 125 Jahren nach dem damaligen Verständnis ihren Platz im kirchlichen Raum unmittelbar neben der Armenpflege hatte. Die Geschichte zeigt aber auch, dass zu jener Zeit in einem überschaubaren Gemeinwesen von etwa 4.000 Einwohnern das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger und der Sinn für das Gemeinwohl stark ausgeprägt waren, so dass Stiftungen und Schenkungen von angesehenen Bürgern zu Gunsten von Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen sollten, nicht selten waren.
Als daher die wachsende Einwohnerzahl von Werdohl zu Beginn des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts eine Unterbringung der Kranken in einer besonderen Krankenanstalt immer notwendiger machte, fanden sich Werdohler Bürger, die durch großzügige Schenkungen die Einrichtung eines solchen Hauses ermöglichten. So schenkte die Erbin des Lennesteins, Frl. Huck, der ev. Kirchengemeinde in Werdohl 5.000 Mark für diesen Zweck, und die Familie Thomee stiftete zu dem Grundfond das ganze Kapital, welches zur Errichtung des Hauses nötig war.

Schulgebäude wird zum Krankenhaus
So konnte am 19. März 1878 unter Vorsitz des Pastors Daniel ein paritätisch aus dem Presbyterium der ev. Kirchengemeinde und dem Gemeinderat gebildeter Krankenhausvorstand erstmalig zusammentreten. Es galt, ein geeignetes Gebäude zu finden, das als Krankenhaus verwendet werden konnte. Es wurde beschlossen, das Schulgebäude, welches zum kirchlichen Schulvermögen gehörte und das wegen eines Schulneubaus nicht mehr benötigt wurde, herzurichten und als Krankenhaus zu verwenden.
Im Herbst 1878 war das Krankenhaus eingerichtet. Die notwendige Genehmigung der damaligen königlichen Regierung in Arnsberg wurde am 2. September 1879 erteilt.
Das Ev. Krankenhaus Werdohl erhielt 25 Betten. Die Pflege übernahmen Schwestern der Diakonissenanstalt Bethel. Das Krankenhaus wurde als Belegkrankenhaus der niedergelassenen Ärzte verwendet. Einer der Ärzte wurde jeweils für fünf Jahre vom Kirchenvorstand zum sogenannten Hausarzt gewählt. Er war kein hauptamtlicher Arzt des Krankenhauses, sondern er nahm als niedergelassener Arzt die nebenamtliche Leitung des Krankenhauses wahr.
Aus jener Zeit sind aus alten Aufzeichnungen auch Belegungsziffern bekannt: 1882 wurden zum Beispiel 41 Personen im Krankenhaus behandelt, 1883 waren es 31 und 1884 dann 35 Personen. Die Zahlen zeigen, dass damals offensichtlich Belegungsschwierigkeiten vorhanden waren. Man muss jedoch dabei berücksichtigen, dass sich der begüterte Teil der Bevölkerung nicht ins Krankenhaus legen ließ, sondern zu Hause gepflegt wurde.

1888 - Krankenhausneubau "Auf der Egge"
Nach etwa zehn Jahren stellte sich heraus, dass Räume und Einrichtung des Krankenhauses nicht mehr den Anforderungen entsprachen. Es wurde daher die Forderung nach dem Bau eines neuen, moderneren Hauses laut. Der Krankenhausvorstand gab  im  März 1887 eine entsprechende Planung für ein neues und größeres Haus in Auftrag. Nach Vorlage der Pläne, die den Neubau "Auf der Egge" vorsahen, beschloss der Vorstand am 2. Juni 1887 die Ausführung.
Nachdem im Frühjahr 1888 die Genehmigung der Regierung in Arnsberg vorlag, wurden die Arbeiten ausgeschrieben und zu einem Gesamtpreis von 18.717,39 Mark vergeben. Die Inbetriebnahme erfolgte 1888/1889.
Das neue Krankenhaus war äußerst einfach gehalten. Es hatte 35 Betten, und die Einrichtungskosten wurden durch freiwillige Gaben aus der Gemeinde und einer Beihilfe des Frauenmissionsvereins gedeckt.
Nach einer gewissen Zeit machte sich das Fehlen eines lsolierraumes im Krankenhaus störend bemerkbar. So wurde im Jahr 1892 ein Anbau erstellt und in Benutzung genommen. Auch eine Leichenhalle wurde im Jahr 1897 auf dem Krankenhausgelände in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses errichtet, wozu die politische Gemeinde Werdohl einen Zuschuss von 2.000 Mark leistete.

1912 - Gemeinde übernimmt das Krankenhaus von der Kirche
Zwanzig Jahre nach Inbetriebnahme des Hauses - die Einwohnerzahl von Werdohl war inzwischen auf etwa 10.000 angestiegen - genügte es den Anforderungen nicht mehr. Der Krankenhausvorstand fasste daher am 3. Juni 1909 den Neubau eines Krankenhauses ins Auge. In diesem neuen Gebäude sollten etwa 70 Krankenbetten untergebracht werden.
Gleichzeitig fanden Verhandlungen zwischen der Ev. Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde wegen der Übernahme des Krankenhauses durch die Gemeinde Werdohl statt. Die Gemeindevertretung beabsichtigte, das Krankenhaus nach Fertigstellung des Neubaus in die Trägerschaft der Gemeinde Werdohl zu übernehmen.
Die Verhältnisse im Krankenhaus waren mittlerweile unhaltbar geworden. Die Zimmer waren überbelegt, die Wirtschaftsräume zu klein. Der Kreisarzt nahm am 12. April 1911 eine Besichtigung des Krankenhauses vor und stellte erhebliche Mängel fest:

Wenige Tage später beschloss der Gemeinderat von Werdohl, das Krankenhaus von der Ev. Kirchengemeinde zu übernehmen und für die Grundstücke und Gebäude eine einmalige Entschädigung von insgesamt 5.500 Mark zu zahlen.
Dieser auch für damalige Verhältnisse relativ geringe Betrag mag als Zeichen dafür genommen werden, dass Grundstücke und Gebäude nur einen geringen Wert darstellten. Die Übergabe der Grundstücke und Gebäude erfolgte am 1. April 1912. Damit waren alle Rechte und Pflichten auf die politische Gemeinde übergegangen. Diese verfolgte den Plan eines Krankenhausneubaues weiter.  >>weiter

Das zweite Krankenhaus der Gemeinde Werdohl "Auf der Egge".

Maennerkrankensaal

Überbelegter Männerkrankensaal im Haus "Auf der Egge".

Entbindungszimmer

Entbindungszimmer

Krankenhaus1888

Das Krankenhaus "Auf der Egge" erhielt im Jahre 1919 einen Anbau und Fensteraufbauten für die Dachgeschosszimmer. 

Krankenhaus1917

Hofansicht mit der inzwischen völlig baufälligen Baracke und den Abortgelenheiten des Haupthauses.